eine geschichte ueber die liebe
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Über

der phoenix263 ist ein nicht sehr sozialvertraeglicher, eher etwas scheuer typ, der unauffaellig als ganz normaler kerl von nebenan daherkommt.

er glaubt nicht mehr an die liebe und hat doch nie aufgehoert nach ihr zu suchen, nach der einen, der einzigen, nach der liebe die bleibt.

so treibt es ihn durch sein leben, geschuetzt und verborgen unter der grauen asche des alltags, aber immer noch dazu bereit, noch einmal abzuheben, der sonne entgegen zu fliegen und sich in ihren strahlen zu waermen.

diesen text zu schreiben war sehr schwierig fuer mich. alles in gedanken noch einmal zu durchleben, dinge, die ich laengst vergessen glaubte, noch einmal zu erfuehlen, war verstoerent schmerzhaft, trotz der langen zeit, die seither vergangen ist. es fuehrte mich an den abgrund und ich weiss nicht, was mich vor dem sturz bewahrte. die wunden von damals sind lange schon verheilt, aber ich kann die narben immer noch spuehren, sie sind da und werden es wohl fuer immer sein.

viele eintraege entstanden in der nacht und ich war damals oft sehr betrunken. ich habe es so stehen lassen, es sind nicht die schlechtesten passagen. auf jeden fall sind es die ehrlichsten.

wer niemals faellt, flog nie sehr hoch,- ich bin geflogen und es war wunderschoen, ich wuerde es wieder tun, alles ganz genau so noch einmal tun.

phoenix263@hotmail.de

Alter: 58
aus: 79110 freiburg
 



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schwule lebenslieben/luegen

- juli 1990. wir fuhren nicht ins tessin, ich hatte nein gesagt. ich sass mit gaesten am tisch und unterhielt mich. markus war in der kueche, schon verdaechtig lange. ich stand auf und ging nachschauen. er hatte es mir versprochen, dieses jahr kein tessin. anna und er fuhren auseinander und verstummten, als haette ich sie bei gott weiss was erwischt. er trug eine neue jeans, sah gut darin aus, verdammt gut. > nein,< sagte ich, > es gibt keine diskussionen mehr, anna, italo, bitte. wir fahren ans meer. es ist gebucht und bezahlt, wir fahren nach sylt.< italo rauschte aus der kueche, anna war begeistert. eine mitarbeiterin kam dazu und raeumte die leeren teller ab. >hat irgennt jemand heute abend eine rechnung von markus eingeloest? wenn ja, dann wuerde ich sie gern sehen. jetzt! auch von dir anna. ich bekam den zettel, schaute auf den endbetrag, es nahm mir die luft. >ist er noch da? seit ihr verrueckt geworden? das kann ja wohl nicht wahr sein! wo ist er?< >er sitzt an tisch 7 mit drei frauen zusammen. du solltest einmal hingehen.. er wartet auf dich.< > er watschelt, wenn er sauer ist. er drueckt den ruecken durch und watschelt los. ich lieb ihn dafuehr < anna sah mich fragent an. >er watschelt. ich schlafe jede nacht mit dem schoensen man zwischen stuttgart und basel ein, aber er watschelt wenn er sauer ist. < ich nahm die rechung, ging an die theke, holte das scheckbuch und fuellte einen aus. ich stellte ihn hoch aus. verwendungszweck liebe! schrieb ich hintendrauf. du bist alles fuer mich, lass mich bitte nie allein. > an den absender retour. urlaubsgeld.< ich gab den scheck samt rechnung der bedienung zurueck.

italo sass mit drei frauen am tisch. er beobachtete aus den augenwinkeln alle meine bewegungen. die bedienung gab ihm den check und fing an mit ihm zu tuscheln. er starrte auf die summe, drehte ihn um und lachte. die frauen schauten mich fragent an. ich ging und den tisch und sagte hallo. sie waren alle drei ende der fuenfzig,, aber sehr nett. eine hatte die langen schwarzen haare zu einem pferdeschwanz zusammengebunden und schaute mich unverwandt an. sie war nicht stark geschminkt, aber irgentwie sonderbar, dezent auffaellig. mein blick fiel immer wieder auf ihre haende, vierzehn ringe an zehn fingern , ich war beeindruckt. ich legte meine hand auf italos schenkel die frau nahm meine andere hand, beugte sich ueber sie. es war seltsam. ich wollte ihr die hand entziehen, aber es ging nicht. ich bekam eine gaensehaut, alle haare richteten sich an mir auf. sie starrte auf meine handflaeche und dann in mein gesicht. > heiraten sie nie < sagte sie und stiess die hand,zurueck an meine brust. > niemals<. sie stand auf, die anderen folgten ihr erschrocken nach. markus schaute mich fragend an. ich war entsetzt. es hatte so harmlos angefangen. > ich bin verheiratet, der ring an unseren haenden duerfte ihnen kaum entgangen sein!< > chef, du sollst in die kueche komme.< die bedienung stand vor mir und verdrehte die augen in richtung kuechentuer. > geh nach hause, pack deine klamotten und dann leg dich schlafen. micha macht schluss, es wird nicht spaeht, ich komm so bald wie moeglich nach.< markus ging, ich sah ihm hinterher. ihn jetzt umarmen, festhalten, ihn einfach nur spueren, es ist kalt ohne ihn.

> wir haben ein problem. es ist gar nicht sylt, nicht der urlaub. er hat angst. du bleibst jetzt stehen, wo du stehst! wie geht es ihm eigentlich? < >es ist alles ok, er spricht nicht darueber, aber es geht ihm gut! gute pflege! kennst du den unterschied zwischen hiv und liebe? gegen hiv kannst du dich schuetzen! < >er hat 750 000 dollar falsch gebucht. nicht er, aber eine mitarbeiterin von ihm. das geld ging in den iran. sie hat eine falsche nummer getippt, bankleitzahl? konto? aber er ist dafuehr verantwortlich, und das geld ist weg. < ich war sprachlos! > in den iran, du sagtest iran? ist der denn verrueckt geworden? seit wann weist du das schon?< >drei tage?< > ich darf mich bewegen? ich darf nicht schreien? ich darf tot umfallen? ich habe ihm ein haus gebaut, ich arbeite vierzehn stunden am tag, aber ich bin nicht kompetent genug, dass man mit mir darueber spricht? fuer was bin ich in dieser beziehung zustaendig? fuers bezahlen? da heult man sich lieber bei meinen mitarbeitern aus, als mir ein wort zu sagen.< > vielleicht hat er genau davor angst, dass du so reagierst, ausserdem ist die bank versichert, mehr als einen kraeftigen tritt in seinen huebschen hintern wird er nicht kriegen.< >das ist nicht das problem, tu jetzt nicht so, seit ihr eigentlich alle wahnsinnig. macht das ihr raus kommt, geht nach hause, ich will euch nicht mehr sehen. und nimm deinen mann mit. wir reden darueber, wenn ich in zehn tagen zurueck bin. aber anna, so geht das nicht, nicht mehr!<

ich kam spaeht nach hause. markus war noch auf und am packen. ich schaute ihm schweigend zu. auf seiner oberlippe standen kleine schweissperlen, wie immer, wenn er sehr konzentriert oder angespannt war. ich starrte auf den berg von kleidern. > was soll das geben italo, du ziehst aus? dann nimm aber gleich alles mit! wir fahren nur fuer acht tage weg und zwar ans meer und nicht in die skiferien. also lass das bitte.< > phoenix....< > nicht jetzt markus. wir haben morgen waerend der fahrt zehn stunden zeit zum reden. auf die paar stunden kommt es jetzt auch nicht mehr an.< ich griff mir die hundeleine und ging mit remy spazieren. das telefon laeutete. wahrscheinlich anna, hoeren ob ihr kleiner liebling noch lebt.

um acht uhr am anderen morgen fuhren wir los. markus hatte das gepaeck im auto verstaut und remy sass schon eine stunde vorher im wagen, wir koennten ihn ja sonst vergessen. wir hatten an diesem morgen nur das noetigste miteinander gesprochen und auch waerend wir losfuhren sprachen wir nicht miteinander. ich legte eine kassete ein und drehte die musik laut. ich wusste, er mochte diese art von musik gar nicht, aber es war mir egal. ich dachte, komm nur, wenn du etwas von mir willst. kurz vor offenburg schaute ich in den rueckspiegel direckt in ein paar runder, gelber augen. ich bis die zaehne zusammen, mein puls raste. bei der naechsten abfahrt fuhr ich runter von der autobahn und drehte um. > stimmt etwas nicht?< markus sah mich fragend an. > doch italo, es ist so wie immer. du hast wieder zuviel mitgenommen. dreh dich mal um und dann sag mir, was deine katze hier zu suchen hat.< er schaute nach hinten und fing an zu fluchen, dann redete er auf italienisch auf das tier ein. markus katze wuchs zweisprachig auf, franzoesisch sollte erst naechstes jahr dazukommen. wir waren ueber zwei stunden unterwegs und wieder zu hause! italo trug die katze ins haus und wollte noch kurz telefonieren. > kein problem, lass dir zeit, der letzte zug faehrt kurtz nach einundzwanig uhr ueber den damm und wenn wir den verpassen ist der urlaub eh fuer mich gelaufen.< er schaute mich gequaelt an. nach dem auch das erledigt war fuhren wir zum zweiten mal los.

vor kassel standen wir im stau. es war ein heisser sommertag, remy hechelte mir ins genick, ich schaute alle drei minuten auf die uhr, es ging einfach nicht mehr weiter. irgentwo weit vor uns landete ein hubschrauber und in mir kam langsam panik auf. markus ging bei jedem halt den wir einlegten telefonieren. irgennt wann kam er zurueck und lachte. > das geld ist wieder da?< er nickte. > phoenix, ich.....< > vergiss es, erzaehl es anna, sie kann es mir dann ja bei gelegenheit erklaeren. es interresiert mich jetzt nicht, also lass es.< schon die ganze fahrt ueber dachte ich darueber nach, was eigentlich passiert war. warum ich auf einmal so genug hatte. es war doch die ganzen jahre gut gelaufen und nun das, ich wollte nicht mehr. am liebsten haette ich ihn auf dem naechsten parkplatz ausgesetzt und waere allein weiter gefahren. ich verstand mich selber nicht.

markus zog sich aus, stueck fuer stueck. es war eine affenhitze im wagen und wir standen immer noch im stau. er legte seine hand auf meinen oberschenkel und begann mich zu streicheln, er war jetzt ganz nackt. er begann an meiner jeans herum zu fummeln, mir lief der schweiss ueber das gesicht. ein reisebus schob sich neben uns. ein paar koepfe schauten auf uns herunter, dann immer mehr. ich schob ihn weg von mir und machte meine hose zu. > zieh dir bitte etwas an, aber schnell, die da oben suchen schon den photoapperat.< markus schaute nach oben, winkte und zog sich seine shorts an. mehr war im augenblick bei ihm nicht zu machen. die leute im bus schienen entaeuscht, ich war frustriert.

es ging irgennt wann weiter und wir erreichten auch noch den letzten autozug hinueber nach sylt. unsere ferienwohnung lag ca. zwei kilometer ausserhalb von westerland in einem wunderschoenen reetgedeckten haus direkt an einem dorfteich. wir waren begeistert, langsam entspannte ich mich und remy war von den enten auf dem teich entzueckt. die hausbesitzer waren sehr nett und etwas erstaund, sie hatten wohl aeltere leute erwartet. sie hatten selber zwei hunde, das appartment war klasse, es passte alles. am naechsten morgen hatte das wetter umgeschlagen. es war merklich kuehler geworden und es ging ein heftiger wind. wir wanderten den strand entlang, kilometerweit. markus sammelte kleine muscheln und steine fuer den teich zu hause, remy jagte den wellen hinterher und sah bald aus wie sau, nur ich war immer noch verunsichert ueber meine gefuehlslage. nie hatte ich an unserer beziehung gezweifelt und nun war ich mir ueber nichts mehr sicher.

am abend gingen wir zum essen nach westerland und anschliessend in eine schwulendicothek. normalerweise haette markus protestiert, aber diesmal traute er sich nicht. remy hatten wir im appartment zurueck gelassen, er war fix und fertig und schlief. ich sass am der theke und schaute markus beim tanzen zu. der barmann stellte zwei glaeser vor mich hin und schaute mich an. > danke ich habe nichts bestellt < ich schob die glaeser von mir. > die gehen aufs haus < er nahm ein glas und streckte es mir hin. > und du fragst vorher nie? < > nie! <. > du bist ganz schoen mutig < er grinste und wir stiessen zusammen an. er sah gut aus und er wusste es. wir unterhielten uns und nebenher bediente er die anderen gaeste. all zu viel gab es an diesem abend nicht fuer ihn zu tun. beide sahen wir italo beim tanzen zu. > du bist schweitzer?< ich lachte. > der schweitzer tantzt da drueben, ich bin deutscher.< > ich dachte, er ist....< > ich weiss, italiener, spanier, araber,whatever. er ist deutschschweitzer, auch wenn man es nicht glauben mag.< wir schauten weiter zu, markus tantzte schon lange nicht mehr fuer sich allein. > schade, dass die besten maenner immer schon vergeben sind!< ich schaute ihn an. > du musst ihn halt fragen, zu schuechtern dazu scheinst du nicht zu sein < > ich meine nicht ihn, ich rede von dir < > das koennte aerger geben, das lassen wir lieber, du hast recht, ich bin nicht zu haben, jedenfalls nicht heute abend < italo kam von der tanzflaeche zurueck, mein verehrer hatte sich entfernt. > was will der von dir, er macht dich an?< ich schaute mich suchend um. > phoenix, bitte lass den scheiss, ich hab euch genau beobachtet, ich hab es gesehen.< er schaute mich an. in seinen augen stand angst und unsicherheit. dann war es auf einmal vorbei. die zweifel waren wie weggeblasen. du bist ein idiot, dachte ich, ein verdammter idiot. du liebst ihn, daran wird sich nie etwas aendern. ich zog ihn zu mir heran und nahm ihn in den arm. > komm wir gehen nach hause. das wird hier nichts mehr mit uns. du bist ein idiot, du weisst genau, es gibt keinen anderen fuer mich.< wir bezahlten und gingen zurueck, liefen mit remy um den dorfteich und dann waren wir zusammen, es war beinahe so wie in unserer ersten nacht.

die woche war ein voller erfolg, ich genoss jeden tag und fuehlte mich mehr erholt als nach drei wochen irgennt wo im sueden. das klima hatte uns beiden gut getan. ich war voller energie, die welt konnte wieder kommen und an unsere tuere klopfen. > ich wuerde gern mal nach skandinavien < wir waren auf der fahrt zurueck nach hause. > ok, aber an ostern fahren wir wieder ins tessin < ich rollte mit den augen. > das mit der frau, der zigeunerin, was glaubst du, koennte man das wort heirat auch durch beziehung ersetzen?< markus schaute mich verwundert an. > natuerlich, nicht einmal in der disco kann man dich fuenf minuten allein lassen.< er ueberlegte > mach dir keine sorgen, es ist schon ok so, fuer mich bist du ok so. und nun mach hin, ich will nach hause. meine katze ist sicher schon ganz krank vor sehnsucht nach mir < wir wussten es nicht, es wuerde nie mehr einen gemeinsamen urlaub geben, es war vorbei, ich war nie in skandinavien.

 

 

 

 

 

 

 

 

10.6.07 18:38


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schwule lebenslieben/lügen

- 24.06.91. ich geh schnell auf die toilette, dann mach ich mich fertig und fahr los.i ch komm heute mittag wieder und mach dich fertig, richtig chic. ich leerte ihm seinen stumabeutel, hielt ihn im arm und streichelte seinen kahlen kopf. ich will mit, sagte er, die ersten drei worte, die er seit drei tagen gesprochen hat. ok, dachte ich, nutzen wir die gelegenheit. ich hob ihn aus seinem bett, trug ihn zur toilette neben an, zog ihm sein shirt aus und begann ihn zu waschen. seine mutter kam dazu und ich bat sie, ihn etwas zu halten, damit ich beide haende frei habe. ich hab ihn gewaschen und mit ihm geredet, hab ihm von meiner arbeit erzaehlt, was es heute zum mittagessen gibt. aus seinem anus trat weiser schaum, sooft ich auch drueberfuhr, es hoerte nicht auf. seine mutter bat mich aufzuhoeren, er waere zu schwer, sie koennte ihn nicht mehr halten. 45kg. restmensch zu halten konnte ja wirklich nicht all zu schwer sein. ich sagte ok., hoerte auf, ich war ja eh am nachmittag wieder da, um seinen bauch neu zu versorgen. ich gab seiner mutter sein shirt, nahm ihn wieder hoch, hielt ihn unter den armen, sah in sein gesicht, in seine augen. er war tot. er atmet nicht mehr. er ist tot, sagte ich, er hat es geschafft. dein sohn ist endlich tot.

- 23.06.91. gegen 23.30uhr kam ich in reinach an. markus und seine mutter hatten auf mich gewartet, ich haette um 5.00uhr am morgen ankommen koennen, ich wusste, er haette gewartet. seine mutter sagte gute nacht und ging zu bett, ich kontrollierte seinen stumabeutel, machte ihn nochmal leer und setzte mich zu ihm. markus hatte zwei tage vorher einen kleinen ,wie eine art schlaganfall bekommen, und redete seither nicht mehr. ich erzaehlte ihm von meiner arbeit, wie das geschaeft lief, dass anna gesagt hatte, ich muesste auf jeden fall uebermorgen arbeiten kommen, weil sie ihre letzte vorlesung vor der pruefung hat.i ch hielt seine hand, sah in seine grossen, braunen augen und mir liefen vor muedigkeit die traenen ueber das gesicht. du musst loslassen, sagte ich zu ihm, du musst mich loslassen, dein herz ist erst dreissig jahre alt, wenn du nicht loslaest koennen wir das hier noch lange fortsetzen. ich werde dich nie verlassen, wo immer du auch hingehst, und ich werde deinen ring tragen solange ich lebe. aber bitte, lass uns jetzt los. ich richtete mir meinen gartenliegestuhl, machte das licht im WC an, nahm seinen arm zu mir, damit er mich wecken konnte, wenn irgennt etwas sein sollte, sah in seine augen, in denen die ganze angst und qual stand, sein schmerz und seine wut darueber, dass ich leben sollte und er sterben musste, und dachte, ich hab sowas von die schnautze voll.
15.5.07 17:18


schwule lebenslieben/luegen.

24.06.91.

ich trug markus aus dem badezimmer zurueck auf sein bett.dann rief ich seinen hausarzt an und sagte ihm,dass er gestorben ist.er versprach
mir sich um alles zu kuemmern,ich solle nur bei seiner mutter bleiben und sie nicht allein lassen.ja natuerlich,sagte ich.

ich rief anna zu hause an,sagte was passiert war,dass ich aber am abend ins geschaeft komme und sie zu ihrer vorlesung gehen kann.sie weinte sehr.

ich rief meiner mutter an.ich sagte er ist tot,,es ist endlich vorbei.es tut mir so leid.sie fragte,was mir leid tut,ich sagte,dass er sterben musste und ich ohne ihn weiterleben muss.sie wollte mit der mutter von markus reden,ich gab sie ihr und ging zurueck zu ihm.ich weiss bis heute nicht,was die beiden frauen sprachen.dann sagte sie zu mir,dass sie zur beerdigung kaemen,meine zwei schwestern und sie.ich sagte,du musst das nicht machen,schon wegen papa,der rastet aus.wir kommen sagte sie,du warst lange genug allein.

es geschah etwas unglaubliches.markus vergreistes gesicht veraenderte sich.die angst,der zorn und sein schmerz verschwanden,er war wunderschoen.nur an der trocknenden netzhaut der augen sah man,dass kein leben mehr in ihm war.es dauerte fuenf stunden,bis sie ihn holen kamen.ich sass bei ihm und hielt seine hand.ich konnte mir nicht vorstellen ihn herzugeben.

als die zwei maenner ihn holen kamen,sagte ich,der ring den er traegt behaelt er an,auch die kleidung.was darunter ist,wollen sie nicht wirklich sehen.niemand darf ihn mehr sehen.

seine mutter hatte ich aus dem zimmer geschickt.der sarg wird so verschlossen,dass er nicht mehr geoeffnet werden kann.sie erfuellten meinen wunsch.er kann nicht mehr einfach so geoeffnet werden,vergewisserte ich mich nochmals.sie verneinten und nahmen ihn mit.

ein pfarrer kam.wir sassen im esszimmer an dem grossen tisch.er fragte,seine mutter sagte viel und nichts,sie hatte es nicht so mit der kirche.irgennt wann wurde es selbst ihm zu bloed und er fragte sie,was er denn ihrer meinung sagen solle.sie wurde ein bischen umgaenglicher.ich sass dabei und schwieg.er fragte nach seinem kofirmationsspruch.den musst du zu hause haben,sagte sie zu mir,wie aus der pistole geschossen.ich schau nach,sagte ich.

ich hatte seinen ganzen schreibtisch auf den kopf gestellt,im keller alle kartons durchwuehlt,ich fand den konfispruch nicht.ich rief seine mutter an,sagte ich finde den spruch nicht.kannst du auch nicht,markus hat alles als du einen abend in der stadt warst verbrannt.ich war sprachlos.

der pfarrer rief an.er war 28jahre alt,ein sehr sympatischer typ.er fragte mich,warum ich heute mittag mit an dem tisch sass.weil ich zufaellig da war?fragte ich.woher haben sie meine telefonnummer?von der schwester von markus erklaerte er mir.wenn sie mit ihr gesprochen haben,dann haetten sie sie alles fragen koennen was sie wissen wollen,sagte ich.was wollen sie von mir.in welcher beziehung standen sie zu markus,fragte er. ich gab auf.er war mein mann sagte ich,wir haben zusammen gelebt,nicht in reinach,in deutschland,er war meine ganze welt. wir redeten ueber eine stunde,er war so gut.ich bat ihn,mich bei seiner predigt aussen vor zu lassen,er sagte,die zeiten sind vorbei,in denen die kirche alles unter den teppich kehrte,und er habe grossen respekt vor mir.sie haben doch mehr mit seiner schwester geredet! natuerlich sagte er.

 

27.06.91

es regnete in stroemen,wir fuhren nach basel.meine mutter und meine zwei schwestern sassen mit mir im wagen.an der grenze war stau ich wurde nervoes.in reinach am friedhof standen autos ohne ende,ich fand keinen parkplatz.meine mutter,die ihren sohn kannte,sagte immer wieder,bleib ganz ruhig.ich stell jetzt den wagen mitten auf der kreutzung ab ab und geh zu fuss,schimpfte ich.ich hab sowas noch nie erlebt,hier kann man immer ohne probleme parken.

ich sties auf zwei polizisten,hielt an,sagte ich muss zum friedhof,wo koennen wir parken.er lachte,sagte die ganze stadt und halb suedbaden waeren auf dem friedhof,es gaebe keine parkplaetze mehr.bleib ruhig,sagte meine mutter,ich bin aber der hinterbliebene sagte ich,meine schwestern sogen die luft ein,meine mutter verschlugte sich und fing an zu husten.fahren sie uns hinter her,sagte der polizist.es schuettete vom himmel.ich dachte klasse markus,wir sehen aus wie die sau bis wir dort sind!

der friedhofsvorplatz war schwarz vor menschen.ich hiehlt die luft an.es hoerte ploetzlich auf zu regnen,markus seine familie war schon da.unsere muetter begruessten sich,seine schwester nahm mich in den arm,ganz fest. wir werden nie vergessen was du fuer ihn getan hast,sagte sie. die ganzen menschen sind fuer jemand gekommen,den ihr zurueckgestossen und davon gejagt habt,sagte ich zu meiner mutter.ich schaeme mich fuer euch. bitte phoenix,nicht jetzt,bitte nicht jetzt,bitte nicht hier,sagte meine schwester.

der sarg stand vor der kirche vor einem grossen steinernen kreutz.wir standen etwas hilflos herum.die menschenmenge schaute mich an,ich fuehlte mich unwohl.ich hatte mir nie gedanken darueber gemacht,wie es sein wuerde,wenn der fall eintreten wuerde.und nun stand ich da und fuehlte mich unwohl.die bewohner der ganzen strasse,in der wir wohnten waren da.der himmel riss auf,die sonne kam hervor und ihre strahlen kitzelten mich im nacken.hoer auf mich zu kitzeln,fluesterte ich,ich weiss auch so,dass du da bist.meine mutter schaute mich fragend an,markus mutter sagte,was hast du gesagt?nichts sagte ich,ich hab nur laut gedacht.der pfarrer sagte ein paar worte,traeger hoben den sarg an und trugen ihn in die kirche.markus mutter haengte sich bei mir ein und wir gingen hinter dem sarg her.ein fuenfjaehriger neffe fragte seine omimi,ob der onkel jezt da in der kiste liege.ich hielt ihren arm ganz fest,drehte mich zu ihm um und sagte ja kevin,er liegt jetzt da drin.

die trauerfeier ging relativ lange,die kirche war total ueberfuellt und zwei drittel der menschen stand noch draussen auf dem platz vor der kirche.der pfarrer sprach mit mir in seiner predigt,er wollte mich troesten,mir mut machen.markus mutter hatte ihren arm um meine schultern gelegt,meine mutter griff nach meiner hand und hielt sie fest.ich weinte nicht,ich hatte noch keine traene geweint seit er tot war.

wir gingen anschliesend abendessen,nur die familie. markus wollte keinen "leichenschmaus" und meine schwestern fuhren zurueck nach hause.meine mutter und ich uebernachteten bei der"schwiegermutter",ich konnte und wollte sie nicht allein lassen.es war so schwer fuer sie.

 

22.1.07 23:38


einsamkeit laesst mauern erwachsen. schmertz, trauer und traenen bilden den moertel, der sie zusammenhaelt. entaeuschung macht sie unueberwindbar.

es kamen andere maenner. sie rannten gegen die mauer an, sagten ich liebe dich, es war nicht mehr wichtig. ein paar wenigen gelang es, einzelne steine heraus zu brechen, sie streckten die hand aus und wollten mich beruehren, doch wenn der morgen kam, war die mauer wieder geschlossen, oft maechtiger und hoeher als zuvor. ich sah ihnen zu mit einem glas in der hand, manchmal belustigt, oft interressiert, meistens emotionslos.

gab es am anfang mehr gute als schlechte tage, so kehrten sich die tage um. die guten augenblicke wurden selten, ich war muede und sprachlos geworden. es gab zeiten, da raffte ich mich auf, lief los und wollte die mauer selber einreissen. ich schaffte es nicht, nicht mehr. mein schutzwall war zum gefaengnis geworden!

im dezember begann ich hier zu tippen. es sollte nur eine kleine geschichte werden, eine kurtze billantz vergeuteter jahre. es wurde zu einer lawine, die mich mitriss und noch einmal dahin fuehrte, wovon ich glaubte, es laengst hinter mir gelassen zu haben. an weihnachten starb mein vater, er wollte mich auch kurtz vor seinem tot nicht mehr sehen. er hat es nie verstanden, mir nie verziehen. aber ich bin jetzt frei, er war der letzte zeuge und mitwisser.

die wunden sind schon lange verheilt, die narben kann ich heute noch spueren, manchmal tun sie auch wieder weh. es sind augenblicke in denen man etwas sieht, was es schon einmal gab, bilder die erinnerungen wachrufen, das laecheln eines fremden in der menge.

mitte januar bin ich in der strassenbahn zuammengebrochen, wenig spaeter noch einmal, einfach so. der artzt sagt, mein hertz sei gesund, ich haette die wahl, weiter hin tabletten und alhohol oder leben. ich habe mich fuer das leben entschieden.

das wars. fertig.

 

wenn ich abgestuertzt bin steh ich auf und steig noch mal hinauf, gerade jetzt erst recht.

eines morgens, eines tages, reibst du dir aus den augen die nacht, und weisst nicht mehr, woran lag es, du warst tot und bist zum leben erwacht.

denn dein satz hiess, ich ertrag es und dein leben war zeit die verrinnt, eines morgens, eines tages wirst du fuehlen etwas neues beginnt.

und vielleicht schon sehr bald ist vorbei nur ein wort, dass dich nicht mehr verletzt, denn die asche ist kalt und der stachel ist fort, die zeit hat berge versetzt.

eines morgens nimmst du nicht mehr in kauf, blos ein holtzstueck zu sein, das im strom abwaerts treibt, eines morgens machst du dich wieder auf und von neuem allein, etwas zu suchen das bleibt.

eines morgens, eines tages, oeffnest du deine fenster dem licht, und sagst nochmal, ja ich wag es und glaubst wieder was der tag dir verspricht.

eines morgens, eines tages, kaemst du dir deinen schmerz aus den haarn, und fuhlst dich nicht mehr geschlagen und fuehlst wieder etwas neues erwacht.

 

 

2.11.14 22:22


schwule lebenslieben/luegen.

29.06.91. fuehr lutz.

wir sassen in neuenburg im esszimmer an dem grossen runden marmortisch und sortierten seine persoenlichen dinge.ich hatte drei kartons von ihm aus dem keller geholt,er hatte sie nie ausgepackt,sie stammten aus seinem leben vor meiner zeit.ich raeumte seine seite unseres schreibtischs aus und wir begannen zu sortieren.ich machte drei stappel,einen fuer das,was ich behalten wollte,einen fuer das,was seine mutter an persoenlichen dingen zurueckbekommen sollte,und einen fuer das was niemand sehen sollte,vor allem nicht unsere zwei muetter.er war wahrlich kein kind von traurigkeit gewesen.diesen stappel wuerde ich vernichten.

ich war mit meiner mutter noch in der basler innenstadt bevor wir nach hause zurueckkehrten.ich wollte,dass sie sich noch etwas schoenes kaufte,ich wollte ihr was schenken.sie fand nichts,sie wollte nichts.ich sah das zeichen an der wand und verstand es nicht.

wir kamen ins gespraech ueber die trauerfeier,darueber,dass so viele menschen gekommen waren,auch aus neuenburg.unsere ganze strasse war da.und reinach liegt jetzt von neuenburg wirklich nicht gerade um die ecke.da sagte meine mutter,dass es ihr etwas unangenehm war,dass der pfarrer so konkret wurde,dass alle leute mitbekommen haben,dass ich und markus ein paar waren.ich wurde ganz ruhig,mir wurde kalt,ich dachte ich muesste die jacke nehmen und gehen,aus meinem eigenen haus.

ich sprach ganz leise,ich wollte mich nicht mehr rechtfertigen,ich war das thema leid.ich fragte sie,ob sexualitaet in ihren augen eine charaktereigenschaft waere,ob sie einen menschen nach seinem tun und handeln beurteilt,oder nach dem,mit wem ein mensch schlaeft.ich fragte sie,ob sie glaube,dass was ich die letzten jahre gemacht habe fuer sie nur eine vorruebergehende verirrung gewesen waere.

sie sagte,sie versuche zu tolerieren wie ich lebe,sie verstehe es aber nicht.aber akzeptieren wuerde sie es nie.was kannst du daran nicht akzeptieren?es ist unnatuerlich,es ist ekelhaft,sagte sie.meine stimme wurde immer leiser,ich zitterte am ganzen koerper,noch nie fuehlte ich mich so gedemuehdigt.nicht einmal mein vater hatte das geschafft.mama sagte ich,ich sag dir jetzt was.wenn ihr euren sohn nicht akzeptieren koennt,wie er ist und wie ihr ihn in diese welt gesetzt habt,dann will ich euch nicht mehr.kein mensch braucht sollche eltern.ihr solltet euch schaemen,ich jedenfalls schaeme mich fuer euch.was willst du eigentlich hier,warum bist du eigentlich gekommen?

ich holte das telefon und rief zum ersten mal nach sechs jahren meinen vater an.er meldete sich,ich sagte ihm,hohl deine frau ab,beweg deinen arsch hier her,ich will sie hier nicht mehr in meinem haus haben.er sagte,was mir einfalle,so mit ihm zu reden.ich antwortete ihm,genau so redet man mit leuten wie euch.und nun komm.ich legte auf.meine mutter sprach kein wort mehr.wir sassen da und warteten.drei stunden spaeter war er da.er klingelte und ging zurueck zum wagen.meine mutter drehte sich unter der tuer nochmals zu mir um und sagte phoenix,merk dir,fortzugehen ist immer leicht,zurueck zu kommen sehr schwer.geh jetzt,sagte ich.

ich schloss die tuer,ich war allein.ich hatte sie an die wand gestellt,hatte das gewehr erhoben und abgedrueckt.ich wusste ich hatte gewonnen.damit konnte sie nicht leben.jetzt mussten sie reagieren.wie recht ich doch behalten sollte.

es war der montag,der 2.september.am abend zu vor war ich in basel,erst bei italos mutter,dann traf ich mich mit meinen freunden,so wie frueher.zuhause war es still geworden.wenn ich nachts heimkam wartete niemand mehr auf mich.markus war meistens schon im bett und schlief wenn ich spaet in der nacht nach hause kam und zu ihm ins bett schlich,aber er drehte sich zu mir herum und legte ein bein ueber mich.diese geste fehlte mir,sie fehlte mir entsetzlich.ich vermisste ihn und begann auf der couch im wohnzimmer zu uebernachten.ich kuemmerte mich intensiv um mein geschaeft und versuchte meine tage so vollzupacken,dass ich gar nicht gross zum nachdenken kam.von meiner familie hatte ich nichts mehr gehoert.

an diesem montag wachte ich auf und ich fuehlte mich nicht wohl.ich hatte so ein komisches beklemmendes gefuehl in der brust.ich ging ins geschaeft,meine koechin hatte sich aus einem fadenscheinigen grund krank gemeldet.ich war sauer.um 17.00uhr kam meine schwester.sie sagte,meine mutter sei im krankenhaus,sie habe starke schmerzen im linken arm und der arzt habe sie ins krankenhaus ueberwiesen.ich solle mir keine sorgen machen,es waere soweit alles in ordnung.

ich arbeitete,mir war uebel, ich hatte schlechte laune.um 20.00uhr war der laden voll,und ich total im stress.es ging mir beschissen.micha kam in die kueche,sagte telefon fuer dich.ich schaute ihn an,fragte ihn ,ob er glaube,dass ich jetzt zeit zum telefonieren habe,drehte mich um und machte weiter.er ging wieder raus,ich rannte ihm hinterher,sagte stopp und nahm ihm den telefonhoerer aus der hand.mein vater war am telefon,er weinte.er sagte,phoenix komm nach hause.ich legte den hoerer auf.ich stand da wie erstarrt,mir wurde schwindelig,ich hatte das gefuehl ich muesste brechen.micha schaute mich an,er hatte ein grosses rundes tablett mit vollen pilsglaesern in den haenden.er knallte das tablett auf die theke,packte mich und zerrte mich durch die kueche ins freie.er schrie mich an was ist passiert,ich sagte ich weis es nicht.ich hab aufgelegt.er schlug mich sachte auf die wangen,fragte,was ist passiert.meine mutter ist tot,geh und ruf meine schwester an,sie soll herkommen,sie kann jetzt auch nicht alleine sein,und wenn du mir noch einmal ins gesicht schlaegst,hau ich dich tot.

anna kam,meine schwester kam,es gab nicht viel zu reden.ich sagte zu micha,er soll die leute abkassieren lassen,wir schliesen.er erwiederte,die koechin kaemme,sie waere schon auf dem weg hierher.sie wuerden fertig machen.anna nahm meinen autoschluessel und fuhr uns nach hause.

ich rief italos mutter an,es ging niemand ans telefon.ich versuchte es bei seiner schwester,es meldete sich niemand.klaus und uschi kamen vorbei.schlechte nachrichten verbreiten sich schnell in einer kleinstadt.er gab mir ein rezept fuer ein beruhigungsmittel.ich hatte italos schwester auf den ab gesprochen.eine stunde spaeter stand das telefon nicht mehr still.ich wollte nicht mehr reden.ich sagte seiner schwester,es tut mir leid,aber ihr ward nicht da.es war schon immer so,in eurem ganzem kummer und schmerz ist keine tennisstunde ausgefallen.ihr leidet auf ziemlich hohem nivaue.

am morgen darauf ging ich zur apotheke.es waren nur ein paar schritte von unserem haus.die leute starrten mich an,ich hatte im spiegel keine einschneidende veraenderung an mir bemerkt.die apothekerin sprach mir ihr beileid aus.sie war am abend auch im restaurant mit ihrem mann.ich sagte,kein starker auftritt von mir,sie meinte,gib doch endlich mal nach.

ich fuhr nach hause,meine schwester war bei mir.es sind ungefaehr 350km bis nach bad urach und dann noch das letzte stueck den berg auf die schwaebische alb hoch.meine muter hatte recht gehabt.der weg zurueck war schwer,er war lang,quaelend lang.

ich sass bei ihr in der aussegnungshalle.meine familie hatte mich mit ihr alleine gelassen.sie sah sehr klein und zerbrechlich aus.sie gaben mir sechtzig minuten zeit.ich sprach mit ihr,sagte ihr ,dass es mir nicht leid tut.dass ich eben so bin,dass ich halt maenner liebe,dass ich nicht das leben fuehren konnte,dass sie sich immer vorgestellt hatten.dass ich mich nie so verbiegen konnte,auch nicht fuer sie.ich erzaehlte ihr die dinge,die sie nie hoeren wollte,als sie noch lebte.du hast mich zur wahrhaftigkeit erzogen,und wer am ende gelogen hat warst du.du hast immer angst um mich gehabt,hast immer geglaubt,ich waere nicht stark genug.jetzt,wo ich dich brauche,hast du mich allein gelassen.ich bin entaeuscht von dir,ich fuehle mich von dir betrogen,was hier passiert ist,ist nicht fair. ich habe euch immer geliebt und du warst meine mutter,warum konntet ihr mich nicht so lieben wie ich bin?

ich hatte ein langes gespraech mit meinem vater.er war hilflos und gebrochen.wir sprachen eine flasche cognac lang.er hoerte mir zu,er konnte sich nicht mehr wehren,aber er verstand nicht,was ich ihm sagte.es war so sinnlos.

italos mutter kam zur beerdigung,seine schwestern,irene,die frau seines beistands.sie waren fassungslos,ich konnte ihnen nicht mehr helfen.

am abend nach der beerdigung fuhr ich zurueck nach neuenburg.ich ging in mein restaurant,es war brechend voll.anna fragte,warum ich schon zurueck gekommen bin.ich erklaerte ihr,dass es fuer mich keinen grund mehr gibt,jemals wieder auf die alb zu fahren.ich stand hinter der theke,siebzig paar augen schauten mich an.niemand sprach mit mir ein wort.ich fragte eine bedienung was mit mir los sei.hab ich die pest oder colera?was soll ich sagen,fragte sie.zum beispiel"hallo phoenix,schoen dass du wieder da bist?"sie fing an zu weinen.sie sagte,phoenix,wir wissen nichts mehr zu sagen,es tut uns so leid.sie lief davon.die leute schauten.ich war 31 jahre alt.an diesem abend bin ich zum ersten mal gestorben.

 

 

30.1.07 00:12


markus war zehn tage tot. es war samstag abend, ich ging frueh nach hause, duschte und fuhr nach reinach. ich trank mit mami ein glas wein und und nahm dann ein taxi nach basel. ich wusste, ich konnte spaeter bei ihr uebernachten. ich ging in den isola club. es war voll. peter und walti waren da. walti schaute mich an, alles an ihm sagte nein, tu es nicht. ich ging an ihnen vorbei, vierhundert paar augen sahen mir zu. ich bestellte mir ein flasche wodka, cola und eiswuerfel. christian war an der bar, er war total verunsichert, schaute immer zwischen walti und mir hin und her. ich sagte mach einfach, ich will nur tanzen.

ich tanzte, nur fuer mich, ich war allein unter all den vielen menschen. ich trank und tanzte. eine hand beruehrte mich, ich ging weg, sie kam wieder, ich drehte mich um, schaute ihm ins gesicht, sagte ihm, geh weg, falsche zeit, falscher ort. ich tanz heute nur fuer mich, bitte lass mich einfach allein. ganz basel sah zu. er hiess reto und war wahrscheinlich der einzige mensch in dem ganzen laden der keine ahnung hatte. christian hielt mich fest, frage ob es ein problem gaebe, aber es gab kein problem, gib ihm einfach etwas zu trinken und schick ihn weg. ich bin allein gekommen und ich moechte einfach allein bleiben.walti kam zu reto, und dann passierte das, was nicht haette passieren duerfen. walti sprach mit ihm, er wahr ziemlich geladen und redete heftig auf ihn ein. ich weiss heute noch nicht, was er reto gesagt hat, abwechselnd schauten beide zu mir herueber, es war mir egal, ich tanzte. aber reto kam zurueck, nahm mich einfach in den arm und er kuesste mich,

er kuesste mich wie ...ja genau so.

christian hielt mich fest. es ist feierabend,sagte er, es sind alle weg..komm mit zu mir, bleib einfach bis morgen frueh bei mir. es war fast fuenf uhr am morgen. ich sah mich um, reto stand an der bar und schaute mich an. seine kollegen waren schon lange gegangen. walti wartete draussen vor der tuer. ich griff ihm an den bund seiner jeans, zog ihn in einen gang zur toilette und nahm ihn. ich nahm ihn in den mund, zog ihm das hemd ueber den kopf, er war nackt und er war schoen. warum? fragte ich ihn .warum nicht? antwortete er. es war mein abend, du kamst darin nicht vor. jetzt schon stoehnte er und dann drehte er mir den ruecken zu und presste sich an mich.

er kam aus freiburg(ch), war aber deutschsprachig. walti fuhr uns nach reinach, er redete mit ihm auf franzoesisch, ich verstand wieder einmal kein wort. es war wie immer.

als der brave schweitzer buerger schon seinen mittagsschlaf nach dem essen hielt, machte mami uns fruehstueck. ich sagte ihr, reto haette seinen letzten zug verpasst und darum haette ich ihn mitgenommen. als sie hoerte, wo er herkam war sie entzueckt. sie packte ihr bestes franzoesisch aus und verwickelte ihn gleich in eine angeregte unterhaltung. sie verstanden sich praechtig. ich war eifersuechtig und zeigte es auch. es war schon nach siebzehn uhr als wir uns auf den heimweg machten. ich fuhr reto zum bahnhof in basel, aber er holte nur seinen wagen und den dazugehoerigen strafzettel ab, danach fuhren wir weiter nach neuenburg. als wir ankamen und aus den autos stiegen, fragte er mich, ob ich familie haette in der schweitz. ich sagte ja, eine ziemlich grosse und laute, italienische familie. die frau bei der du heute nacht uebernachtet hast, war die mutter von markus. er schwieg, ich ging weiter, drehte mich nicht nach ihm um. ein paar nachbarn standen vor ihren haeusern an der strasse, ich gruesste und ging vorbei. ihre blicke brannten mir im ruecken und ich dachte, scheisse phoenix, was machst du, das lassen sie dir nicht durchgehen.

wir gingen ins haus, ich schloss die tuer, reto nahm mich in den arm und kuesste mich. du hast mut, sagte er, du bist ganz schoen mutig. wenn ich heute nacht gewusst haette, wo ich uebernachte, ich haette kein auge zugemacht. er bummelte durchs haus, sah sich um, ganz unbefangen. er ist wie ein junger hund, dachte ich, neugierig und etwas tolpatschig. dabei war er etwa drei zentimeter groesser als ich, hatte einen athletischen, muskuloesen koerper und dunkelblonde, halblange haare, die ihm bei jeder bewegung ins gesicht fielen. er nahm ein gerahmtes foto vom schreibtisch. so sah er also aus, sagte er. du hast ihn gekannt? nein, nie gesehen. er stellte das bild zurueck und ging weiter.

ich hoerte den anrufbeantworter ab. fuenfmal anna, iris, eine schwester von markus, helga. ich rief sie zurueck. sie fragte, ob ich am mittwoch mit ihr tanzen gehe, so wie frueher. es tut mir leid, ich kann nicht, du musst das verstehen, es ist vorbei, ich tanze nicht mehr.es wird nicht mehr wie frueher, ich habe verloren, ich hab alles auf eine karte gesetzt und ich habe verloren. lass es gut sein. komm einfach nach feierabend oefters noch vorbei, aber tanzen, das geht gar nicht mehr.

wir sassen auf der dachterasse, redeten ueber alles moegliche, aber nicht von gestern. er war ein guter gespraechspartner, intelligent, liebenswuerdig und witzig. irgennt wann gingen wir schlafen. es fuehlte sich gut an, ihn in den armen zu halten, seine muskuloesen schenkel um meinen koerper zu spueren. es tut mir leid, fluesterte er in mein ohr, als es vorbei war.

wir sahen uns wieder, immer wieder. ich wollte leben, einfach nur leben.

 

 

 

 

 

 

15.5.07 13:00


schwule lebenslieben/luegen.

 

-november 1991.ich uebernachtete bei reto in basel. wir waren bei unserem stammtisch und sind dann noch etwas um die haeuser gezogen. wir schliefen ab und zu zusammen, die anderen ahnten nichts davon.der sex mit ihm war schoen und bedeutungslos.ich wusste, dass er sich mehr erhoffte, und er wusste, dass ich nicht mehr zu geben bereit war. wir sprachen nie darueber. ich fuehlte mich in basel zunehmend unwohl. die leute starrten mich an(italo ist tot und ich bin gesund und lebe?),meine kolleggen taten so, als waere nichts geschehen, als haette sich nichts veraendert. aber fuer mich war etwas geschehen, meine welt hatte sich veraendert.

ich wachte auf und loeste mich aus seinen armen. es war kurz vor zwei uhr morgens. vom magen her kroch ein gefuehl in mir hoch, legte sich auf die brust und nahm mir die luft zum atmen. ich stand auf und zog mich an. er wachte auf und fragte mich, was das soll. ich muss nach hause, schlaf weiter, sagte ich. du spinnst,sagte er und drehte sich um.

ich fuhr auf der autobahn richtung grenze. traenen liefen mir ueber das gesicht. ich musste mich zusammenreissen, musste ueber die grenze, ohne dass die zoellner verdacht schoepften. es klappte. ich weinte hemmungslos.i ch rief anna an, sagte zu ihr, bitte komm, ich bin in zehn minuten zuhause. sie fragte nichts, sie kam. wir sassen am tisch in der kueche,ich weinte. es gab nichts zu reden, ich sass nur da und weinte. es vergingen stunden. anna sagte, gott sei dank, wir dachten schon, es wied nie passieren. das war doch nicht normal. kein mensch kann sich immer nur zusammenreissen. wir tranken cognac, kaffee, tee, ich kotzte alles. ich kotzte mir meinen ganze wut aus dem leib. um neun uhr am morgen schickte ich anna nach hause. ich ging zur arbeit in mein geschaeft und bat sie, erst am abend zu kommen, sie sollte sich noch etwas hinlegen. es war alles so sinnlos, fluesterte sie. es hat vom ersten tag an keinen sinn gemacht, sagte ich, es war nur liebe.

14.5.07 13:34


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