eine geschichte ueber die liebe
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schwule lebenslieben/luegen.

24.06.91.

ich trug markus aus dem badezimmer zurueck auf sein bett.dann rief ich seinen hausarzt an und sagte ihm,dass er gestorben ist.er versprach
mir sich um alles zu kuemmern,ich solle nur bei seiner mutter bleiben und sie nicht allein lassen.ja natuerlich,sagte ich.

ich rief anna zu hause an,sagte was passiert war,dass ich aber am abend ins geschaeft komme und sie zu ihrer vorlesung gehen kann.sie weinte sehr.

ich rief meiner mutter an.ich sagte er ist tot,,es ist endlich vorbei.es tut mir so leid.sie fragte,was mir leid tut,ich sagte,dass er sterben musste und ich ohne ihn weiterleben muss.sie wollte mit der mutter von markus reden,ich gab sie ihr und ging zurueck zu ihm.ich weiss bis heute nicht,was die beiden frauen sprachen.dann sagte sie zu mir,dass sie zur beerdigung kaemen,meine zwei schwestern und sie.ich sagte,du musst das nicht machen,schon wegen papa,der rastet aus.wir kommen sagte sie,du warst lange genug allein.

es geschah etwas unglaubliches.markus vergreistes gesicht veraenderte sich.die angst,der zorn und sein schmerz verschwanden,er war wunderschoen.nur an der trocknenden netzhaut der augen sah man,dass kein leben mehr in ihm war.es dauerte fuenf stunden,bis sie ihn holen kamen.ich sass bei ihm und hielt seine hand.ich konnte mir nicht vorstellen ihn herzugeben.

als die zwei maenner ihn holen kamen,sagte ich,der ring den er traegt behaelt er an,auch die kleidung.was darunter ist,wollen sie nicht wirklich sehen.niemand darf ihn mehr sehen.

seine mutter hatte ich aus dem zimmer geschickt.der sarg wird so verschlossen,dass er nicht mehr geoeffnet werden kann.sie erfuellten meinen wunsch.er kann nicht mehr einfach so geoeffnet werden,vergewisserte ich mich nochmals.sie verneinten und nahmen ihn mit.

ein pfarrer kam.wir sassen im esszimmer an dem grossen tisch.er fragte,seine mutter sagte viel und nichts,sie hatte es nicht so mit der kirche.irgennt wann wurde es selbst ihm zu bloed und er fragte sie,was er denn ihrer meinung sagen solle.sie wurde ein bischen umgaenglicher.ich sass dabei und schwieg.er fragte nach seinem kofirmationsspruch.den musst du zu hause haben,sagte sie zu mir,wie aus der pistole geschossen.ich schau nach,sagte ich.

ich hatte seinen ganzen schreibtisch auf den kopf gestellt,im keller alle kartons durchwuehlt,ich fand den konfispruch nicht.ich rief seine mutter an,sagte ich finde den spruch nicht.kannst du auch nicht,markus hat alles als du einen abend in der stadt warst verbrannt.ich war sprachlos.

der pfarrer rief an.er war 28jahre alt,ein sehr sympatischer typ.er fragte mich,warum ich heute mittag mit an dem tisch sass.weil ich zufaellig da war?fragte ich.woher haben sie meine telefonnummer?von der schwester von markus erklaerte er mir.wenn sie mit ihr gesprochen haben,dann haetten sie sie alles fragen koennen was sie wissen wollen,sagte ich.was wollen sie von mir.in welcher beziehung standen sie zu markus,fragte er. ich gab auf.er war mein mann sagte ich,wir haben zusammen gelebt,nicht in reinach,in deutschland,er war meine ganze welt. wir redeten ueber eine stunde,er war so gut.ich bat ihn,mich bei seiner predigt aussen vor zu lassen,er sagte,die zeiten sind vorbei,in denen die kirche alles unter den teppich kehrte,und er habe grossen respekt vor mir.sie haben doch mehr mit seiner schwester geredet! natuerlich sagte er.

 

27.06.91

es regnete in stroemen,wir fuhren nach basel.meine mutter und meine zwei schwestern sassen mit mir im wagen.an der grenze war stau ich wurde nervoes.in reinach am friedhof standen autos ohne ende,ich fand keinen parkplatz.meine mutter,die ihren sohn kannte,sagte immer wieder,bleib ganz ruhig.ich stell jetzt den wagen mitten auf der kreutzung ab ab und geh zu fuss,schimpfte ich.ich hab sowas noch nie erlebt,hier kann man immer ohne probleme parken.

ich sties auf zwei polizisten,hielt an,sagte ich muss zum friedhof,wo koennen wir parken.er lachte,sagte die ganze stadt und halb suedbaden waeren auf dem friedhof,es gaebe keine parkplaetze mehr.bleib ruhig,sagte meine mutter,ich bin aber der hinterbliebene sagte ich,meine schwestern sogen die luft ein,meine mutter verschlugte sich und fing an zu husten.fahren sie uns hinter her,sagte der polizist.es schuettete vom himmel.ich dachte klasse markus,wir sehen aus wie die sau bis wir dort sind!

der friedhofsvorplatz war schwarz vor menschen.ich hiehlt die luft an.es hoerte ploetzlich auf zu regnen,markus seine familie war schon da.unsere muetter begruessten sich,seine schwester nahm mich in den arm,ganz fest. wir werden nie vergessen was du fuer ihn getan hast,sagte sie. die ganzen menschen sind fuer jemand gekommen,den ihr zurueckgestossen und davon gejagt habt,sagte ich zu meiner mutter.ich schaeme mich fuer euch. bitte phoenix,nicht jetzt,bitte nicht jetzt,bitte nicht hier,sagte meine schwester.

der sarg stand vor der kirche vor einem grossen steinernen kreutz.wir standen etwas hilflos herum.die menschenmenge schaute mich an,ich fuehlte mich unwohl.ich hatte mir nie gedanken darueber gemacht,wie es sein wuerde,wenn der fall eintreten wuerde.und nun stand ich da und fuehlte mich unwohl.die bewohner der ganzen strasse,in der wir wohnten waren da.der himmel riss auf,die sonne kam hervor und ihre strahlen kitzelten mich im nacken.hoer auf mich zu kitzeln,fluesterte ich,ich weiss auch so,dass du da bist.meine mutter schaute mich fragend an,markus mutter sagte,was hast du gesagt?nichts sagte ich,ich hab nur laut gedacht.der pfarrer sagte ein paar worte,traeger hoben den sarg an und trugen ihn in die kirche.markus mutter haengte sich bei mir ein und wir gingen hinter dem sarg her.ein fuenfjaehriger neffe fragte seine omimi,ob der onkel jezt da in der kiste liege.ich hielt ihren arm ganz fest,drehte mich zu ihm um und sagte ja kevin,er liegt jetzt da drin.

die trauerfeier ging relativ lange,die kirche war total ueberfuellt und zwei drittel der menschen stand noch draussen auf dem platz vor der kirche.der pfarrer sprach mit mir in seiner predigt,er wollte mich troesten,mir mut machen.markus mutter hatte ihren arm um meine schultern gelegt,meine mutter griff nach meiner hand und hielt sie fest.ich weinte nicht,ich hatte noch keine traene geweint seit er tot war.

wir gingen anschliesend abendessen,nur die familie. markus wollte keinen "leichenschmaus" und meine schwestern fuhren zurueck nach hause.meine mutter und ich uebernachteten bei der"schwiegermutter",ich konnte und wollte sie nicht allein lassen.es war so schwer fuer sie.

 

22.1.07 23:38


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schwule lebenslieben/luegen.

29.06.91. fuehr lutz.

wir sassen in neuenburg im esszimmer an dem grossen runden marmortisch und sortierten seine persoenlichen dinge.ich hatte drei kartons von ihm aus dem keller geholt,er hatte sie nie ausgepackt,sie stammten aus seinem leben vor meiner zeit.ich raeumte seine seite unseres schreibtischs aus und wir begannen zu sortieren.ich machte drei stappel,einen fuer das,was ich behalten wollte,einen fuer das,was seine mutter an persoenlichen dingen zurueckbekommen sollte,und einen fuer das was niemand sehen sollte,vor allem nicht unsere zwei muetter.er war wahrlich kein kind von traurigkeit gewesen.diesen stappel wuerde ich vernichten.

ich war mit meiner mutter noch in der basler innenstadt bevor wir nach hause zurueckkehrten.ich wollte,dass sie sich noch etwas schoenes kaufte,ich wollte ihr was schenken.sie fand nichts,sie wollte nichts.ich sah das zeichen an der wand und verstand es nicht.

wir kamen ins gespraech ueber die trauerfeier,darueber,dass so viele menschen gekommen waren,auch aus neuenburg.unsere ganze strasse war da.und reinach liegt jetzt von neuenburg wirklich nicht gerade um die ecke.da sagte meine mutter,dass es ihr etwas unangenehm war,dass der pfarrer so konkret wurde,dass alle leute mitbekommen haben,dass ich und markus ein paar waren.ich wurde ganz ruhig,mir wurde kalt,ich dachte ich muesste die jacke nehmen und gehen,aus meinem eigenen haus.

ich sprach ganz leise,ich wollte mich nicht mehr rechtfertigen,ich war das thema leid.ich fragte sie,ob sexualitaet in ihren augen eine charaktereigenschaft waere,ob sie einen menschen nach seinem tun und handeln beurteilt,oder nach dem,mit wem ein mensch schlaeft.ich fragte sie,ob sie glaube,dass was ich die letzten jahre gemacht habe fuer sie nur eine vorruebergehende verirrung gewesen waere.

sie sagte,sie versuche zu tolerieren wie ich lebe,sie verstehe es aber nicht.aber akzeptieren wuerde sie es nie.was kannst du daran nicht akzeptieren?es ist unnatuerlich,es ist ekelhaft,sagte sie.meine stimme wurde immer leiser,ich zitterte am ganzen koerper,noch nie fuehlte ich mich so gedemuehdigt.nicht einmal mein vater hatte das geschafft.mama sagte ich,ich sag dir jetzt was.wenn ihr euren sohn nicht akzeptieren koennt,wie er ist und wie ihr ihn in diese welt gesetzt habt,dann will ich euch nicht mehr.kein mensch braucht sollche eltern.ihr solltet euch schaemen,ich jedenfalls schaeme mich fuer euch.was willst du eigentlich hier,warum bist du eigentlich gekommen?

ich holte das telefon und rief zum ersten mal nach sechs jahren meinen vater an.er meldete sich,ich sagte ihm,hohl deine frau ab,beweg deinen arsch hier her,ich will sie hier nicht mehr in meinem haus haben.er sagte,was mir einfalle,so mit ihm zu reden.ich antwortete ihm,genau so redet man mit leuten wie euch.und nun komm.ich legte auf.meine mutter sprach kein wort mehr.wir sassen da und warteten.drei stunden spaeter war er da.er klingelte und ging zurueck zum wagen.meine mutter drehte sich unter der tuer nochmals zu mir um und sagte phoenix,merk dir,fortzugehen ist immer leicht,zurueck zu kommen sehr schwer.geh jetzt,sagte ich.

ich schloss die tuer,ich war allein.ich hatte sie an die wand gestellt,hatte das gewehr erhoben und abgedrueckt.ich wusste ich hatte gewonnen.damit konnte sie nicht leben.jetzt mussten sie reagieren.wie recht ich doch behalten sollte.

es war der montag,der 2.september.am abend zu vor war ich in basel,erst bei italos mutter,dann traf ich mich mit meinen freunden,so wie frueher.zuhause war es still geworden.wenn ich nachts heimkam wartete niemand mehr auf mich.markus war meistens schon im bett und schlief wenn ich spaet in der nacht nach hause kam und zu ihm ins bett schlich,aber er drehte sich zu mir herum und legte ein bein ueber mich.diese geste fehlte mir,sie fehlte mir entsetzlich.ich vermisste ihn und begann auf der couch im wohnzimmer zu uebernachten.ich kuemmerte mich intensiv um mein geschaeft und versuchte meine tage so vollzupacken,dass ich gar nicht gross zum nachdenken kam.von meiner familie hatte ich nichts mehr gehoert.

an diesem montag wachte ich auf und ich fuehlte mich nicht wohl.ich hatte so ein komisches beklemmendes gefuehl in der brust.ich ging ins geschaeft,meine koechin hatte sich aus einem fadenscheinigen grund krank gemeldet.ich war sauer.um 17.00uhr kam meine schwester.sie sagte,meine mutter sei im krankenhaus,sie habe starke schmerzen im linken arm und der arzt habe sie ins krankenhaus ueberwiesen.ich solle mir keine sorgen machen,es waere soweit alles in ordnung.

ich arbeitete,mir war uebel, ich hatte schlechte laune.um 20.00uhr war der laden voll,und ich total im stress.es ging mir beschissen.micha kam in die kueche,sagte telefon fuer dich.ich schaute ihn an,fragte ihn ,ob er glaube,dass ich jetzt zeit zum telefonieren habe,drehte mich um und machte weiter.er ging wieder raus,ich rannte ihm hinterher,sagte stopp und nahm ihm den telefonhoerer aus der hand.mein vater war am telefon,er weinte.er sagte,phoenix komm nach hause.ich legte den hoerer auf.ich stand da wie erstarrt,mir wurde schwindelig,ich hatte das gefuehl ich muesste brechen.micha schaute mich an,er hatte ein grosses rundes tablett mit vollen pilsglaesern in den haenden.er knallte das tablett auf die theke,packte mich und zerrte mich durch die kueche ins freie.er schrie mich an was ist passiert,ich sagte ich weis es nicht.ich hab aufgelegt.er schlug mich sachte auf die wangen,fragte,was ist passiert.meine mutter ist tot,geh und ruf meine schwester an,sie soll herkommen,sie kann jetzt auch nicht alleine sein,und wenn du mir noch einmal ins gesicht schlaegst,hau ich dich tot.

anna kam,meine schwester kam,es gab nicht viel zu reden.ich sagte zu micha,er soll die leute abkassieren lassen,wir schliesen.er erwiederte,die koechin kaemme,sie waere schon auf dem weg hierher.sie wuerden fertig machen.anna nahm meinen autoschluessel und fuhr uns nach hause.

ich rief italos mutter an,es ging niemand ans telefon.ich versuchte es bei seiner schwester,es meldete sich niemand.klaus und uschi kamen vorbei.schlechte nachrichten verbreiten sich schnell in einer kleinstadt.er gab mir ein rezept fuer ein beruhigungsmittel.ich hatte italos schwester auf den ab gesprochen.eine stunde spaeter stand das telefon nicht mehr still.ich wollte nicht mehr reden.ich sagte seiner schwester,es tut mir leid,aber ihr ward nicht da.es war schon immer so,in eurem ganzem kummer und schmerz ist keine tennisstunde ausgefallen.ihr leidet auf ziemlich hohem nivaue.

am morgen darauf ging ich zur apotheke.es waren nur ein paar schritte von unserem haus.die leute starrten mich an,ich hatte im spiegel keine einschneidende veraenderung an mir bemerkt.die apothekerin sprach mir ihr beileid aus.sie war am abend auch im restaurant mit ihrem mann.ich sagte,kein starker auftritt von mir,sie meinte,gib doch endlich mal nach.

ich fuhr nach hause,meine schwester war bei mir.es sind ungefaehr 350km bis nach bad urach und dann noch das letzte stueck den berg auf die schwaebische alb hoch.meine muter hatte recht gehabt.der weg zurueck war schwer,er war lang,quaelend lang.

ich sass bei ihr in der aussegnungshalle.meine familie hatte mich mit ihr alleine gelassen.sie sah sehr klein und zerbrechlich aus.sie gaben mir sechtzig minuten zeit.ich sprach mit ihr,sagte ihr ,dass es mir nicht leid tut.dass ich eben so bin,dass ich halt maenner liebe,dass ich nicht das leben fuehren konnte,dass sie sich immer vorgestellt hatten.dass ich mich nie so verbiegen konnte,auch nicht fuer sie.ich erzaehlte ihr die dinge,die sie nie hoeren wollte,als sie noch lebte.du hast mich zur wahrhaftigkeit erzogen,und wer am ende gelogen hat warst du.du hast immer angst um mich gehabt,hast immer geglaubt,ich waere nicht stark genug.jetzt,wo ich dich brauche,hast du mich allein gelassen.ich bin entaeuscht von dir,ich fuehle mich von dir betrogen,was hier passiert ist,ist nicht fair. ich habe euch immer geliebt und du warst meine mutter,warum konntet ihr mich nicht so lieben wie ich bin?

ich hatte ein langes gespraech mit meinem vater.er war hilflos und gebrochen.wir sprachen eine flasche cognac lang.er hoerte mir zu,er konnte sich nicht mehr wehren,aber er verstand nicht,was ich ihm sagte.es war so sinnlos.

italos mutter kam zur beerdigung,seine schwestern,irene,die frau seines beistands.sie waren fassungslos,ich konnte ihnen nicht mehr helfen.

am abend nach der beerdigung fuhr ich zurueck nach neuenburg.ich ging in mein restaurant,es war brechend voll.anna fragte,warum ich schon zurueck gekommen bin.ich erklaerte ihr,dass es fuer mich keinen grund mehr gibt,jemals wieder auf die alb zu fahren.ich stand hinter der theke,siebzig paar augen schauten mich an.niemand sprach mit mir ein wort.ich fragte eine bedienung was mit mir los sei.hab ich die pest oder colera?was soll ich sagen,fragte sie.zum beispiel"hallo phoenix,schoen dass du wieder da bist?"sie fing an zu weinen.sie sagte,phoenix,wir wissen nichts mehr zu sagen,es tut uns so leid.sie lief davon.die leute schauten.ich war 31 jahre alt.an diesem abend bin ich zum ersten mal gestorben.

 

 

30.1.07 00:12





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