eine geschichte ueber die liebe
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schwule lebenslieben/lügen

april 84

wir kannten uns zwei wochen als markus seine grossmutter fuer drei wochen nach kanada bekleidete. sein onkel, ihr sohn, lebte dort. er arbeitete bei der gleichen bank wie er. markus fragte mich, ob ich ihn nach zuerich zum flughafen fahren wuerde.

ich holte beide am fruehen morgen in reinach ab. seine ganze familie war da, um die beiden zu verabschieden. sie schauten mich etwas neugierig an, waren aber sehr freundlich zu mir. seine mutter gab mir die hand, schaute mir lange in die augen und sagte, ich soll beim fahren bitte aufpassen. versprochen sagte ich, dafuer ist mir meine fracht viel zu wichtig. sie lachte, ich mochte sie.

wir fuhren auf der autobahn nach zuerich. markus grossmutter sass neben mir und lies sich seit fahrtbeginn darueber aus, wie viele deutsche autos auf ihren noblen schweizer strassen unterwegs sind. nach einer halben stunde fuhr ich auf den naechsten parkplatz. frau barth wir haben ein problem, sagte ich. wieso, ist was mit dem auto nicht in ordnung? fragte sie. nein sagte ich, aber wir haben auch ein deutsches nummernschild. sie ueberlegte. das macht nichts, kicherte sie. meine erste grosse liebe kam auch aus dem grossen kanton. schoen sagte ich, dann haetten wir dieses thema ja geklaert. ich sah in den rueckspiegel, markus verriss es fast vor unterdruecktem lachen.

ich glaube, diese drei wochen als er in kanada war, waren die laengsten meines lebens. meine kollegen zogen mich auf, ich war ungluecklich, unsicher wie es sein wuerde, wenn er zurueckkam. dann kam ein brief und dann kam taeglich eine karte. seine mutter rief mich an, sagte mir, sie soll sagen, dass es ihm gut geht und er mich vermisst. sie fragte mich, wie geht das weiter mit euch? ich weiss nicht, aber ich lieb ihn wie verrueckt, sagte ich zu ihr. ich verspreche dir, ich werde deinem sohn niemals wehtun. wir verabredeten, sie gemeinsam vom flughafen abzuhohlen.

er kam zurueck und sagte mir, ich moechte mit dir zusammen bleiben. ich glaube, das laesst sich machen, sagte ich. bei guter fuehrung wird der vertrag halbjaehrlich verlaengert

zwei wochen spaeter legte er mir einen artikel der basler zeitung hin. darin stand, dass man sich bei einer frau dr.frank im kantonspital anonym und kostenlos auf aids testen lassen kann. den begriff hiv gab es noch nicht. ich sah den sinn nicht und dachte daran, mittags in meiner arbeitspause nach basel zu fahren, geht mir wirklich am ársch vorbei. ich penntelte sowieso schon zwischen neuenburg und basel jede nacht und jeden morgen hin und her. er hatte sich testen lassen, hatte eine nummer bekommen und musste nun zehn tage warten, bis das ergebniss kommt. er meinte, fuer eine beziehung waere das eine gute basis, so eine art stunde null, auf die man dann aufbauen kann.

zwei tage spaeter fuhr ich nachmittags nach basel ins kantonsspital. ich lies mir blut abnehmen, bekam eine nummer, fuhr wieder zurueck, legte den zettel in ein kaestchen in meinem schreibtisch und habe die sache vergessen.

drei wochen spaeter.

ich war krank. die schmerzen kamen ueber nacht, icht konnte mir nicht mehr die haare kaemmen, jede koerperliche berruehrung tat mir weh! ich komme von der schwaebischen alb und ich hatte probleme mit dem milden und feuchten klima in suedbaden. ich hatte angina, immer wieder, manchmal war es so schlimm, ich dachte, die zaehne faulen mir aus dem mund. ich schluckte antiphotika wie andere leute tic tac perlen. ich hatte als schwabe in neuenburg ein restaurant eroeffnet und keiner hatte auch nur fuenf mark auf mich gewettet. ich konnte mir einfach nicht erlauben krank zu sein. markus rief irgennt wann denn notarzt und ich kam in die uniklinik nach freiburg. dort wurde eine toxoplasmose festgestellt, das heist wohl, irgennt welche innere organe arbeiteten nicht mehr richtig auf grund meines antiphotikamissbrauchs und mein koerper hatte sich selber vergiftet. es ging mir nicht gut, sogar meine eltern kamen angereist.

mama und papa sassen bei mir im zimmer als er anrief. er weinte. er sagte, sein test waere possitiv gewesen. ich fragte, was fuer ein test?warum weinst du? er sagte es mir, ich sah meine eltern an, sagte entschuldigung, ich bin nicht allein, kann ich spaeter zurueckrufen?meine mutter sah mich an, ich denke sie wusste wer dran war, ich spuerte es genau. ich hatte ein problem und ich musste was tun. ich quaelte mich aus dem bett, ging aus dem zimmer und suchte nach meiner aerztin. als ich sie fand erzaerhlte ich ihr was los war, ich sagte zu ihr, sie haben studiert, ueberlegen sie sich etwas und schaffen sie um himmelswillen meine eltern aus diesem zimmer. es war unglaublich, als haette ich den feueralarm ausgeloest. sie packten mich wieder ins bett und schmissen meine erzeuger raus. ich rief anna an, sagte ihr, sie soll zu mir nach hause, sofort, erklaerte ihr ,wo sie diesen dreckszettel mit dieser scheissnummer findet und dass sie uns die nummer mitteilen sollte, es sei wichtig. sie kapierte ueberhaupt nichts. musst du auch nicht, du musst dich jetzt nur bewegen und nichts fragen, rief ich ins telefon. es geht bei der ganzen sache nicht um mich, ich habe ein problem mit markus.

eine schwester kam und klebte einen roten punkt auf meinen namen neben meiner zimmertuer. ich fragte was das bedeutet. sie sagte, das ich unter irgennt eine seuchenschutzregelung falle.ich sagte ihr, wenn sie den punkt nicht sofort wieder wegnimmt brauche sie schutz, personenschutz. wie soll ich das meinen eltern erklaeren, seit ihr eigentlich noch ganz gebacken. der punkt kommt weg oder ich geh nach hause. ich fing an zu packen. ein pfleger kam und fing an auf mich einzureden. er war sehr nett zu mir, ich tobte rum. ich versuchte markus zu erreichen, es war belegt. ich hatte angst um ihn.

anna rief an, ich war total ausser mir, konnte mich nicht berruhigen. sie sagte mir die nummer, ich bat sie, bitte such mir den markus. er ist da, was ist denn los mit euch, fragte sie. lass ihn nicht allein, lass ihn um himmelswillen nicht allein, ich machte wie die maus am faden, ich hatte wirklich angst um ihn. die aerztin nahm die nummer und rief in basel im kantonsspital an. mein ergebniss war da, ich war negativ und hatte irgentwie ein schlechtes gewissen. die zeit der luegen begann.

april 85.

ich spuerte, dass er unsicher war, er vertraute mir nicht, unserer beziehung nicht. er hatte angst, dass ich gehe. an einem samstag morgen, wir waren in basel, sagte ich zu ihm, zieh dich an, wir muessen in die stadt. ich ging mit ihm zu einem juwelier am marktplatz. eine freundliche dame fragte mich, was ich wuensche. ich haette gern zwei trauringe, sagt man trauringe, fragte ich. sie schaute auf meine hand, sah mich an und fragte, ob ich das ringmas der dame dabei haette. klar sagte ich, wir haben beide unsere entsprechenden finger mitgebracht.sie schaute mir ins gesicht, in die augen, in denen stand, machs mir bitte nicht so schwer, dann schaute sie auf markus, laechelte und sagte, dann schauen wir doch mal.

er zieckte rum, der ganze laden hoerte uns zu. ich litt still vor mich hin, der chef persoenlich kam vorbei um uns zu beraten. markus wollte einen viereckicken, achteckigen, sonstwas eckigen ring. ich sagte, das geht nicht, ich kann und darf mit sowas nicht arbeiten. und es macht keinen sinn, wenn ich ihn fuenfmal am tag an und ausziehen muss. ich will ihn tragen, immer.

wir fanden einen, er war sehr schoen, die freundliche dame war erleichtert, ich auch.

wir standen in der fussgaengerzone in der basler innenstadt. das hast du mit absicht gemacht, sagte ich. du hast mich mit deinem rumgeziecke neben dir sterben lassen, und du hast es genossen. ich zog ihn an mich, kuesste ihn ganz lange, fuenftausend augen sahen uns zu. ich liebe dich, ich lass dich nie allein, fluesterte ich ihm ins ohr. ich war gluecklich.

24.8.07 21:33
 


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