eine geschichte ueber die liebe
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schwule lebenslieben/luegen

1984 -1987.

-thomas stand eines sonntags nachmittags vor meiner wohnungstuer. er gehoerte zu unserer clique, wusste, dass ich frei hatte. wir gingen zusammen am altrhein spazieren, thomas kam sehr unregelmaessig zu unserem stammtisch, ich kannte ihn nicht sehr gut, ich wollte nicht mit ihm in meiner wohnung allein sein. er lebte mit einem freund zusammen, ihr verhaeltnis zueinander konnte ich nie genau deffinieren. er machte mir einen "antrag", ich lehnte ab. er wollte mit mir darueber diskuttieren, ich sagte thomas, es gibt dinge, die kann man nicht herbeireden. er schmeichelte mir, er klagte, ich sagte nein, es geht nicht, ich liebe dich nicht, das geht gar nicht. du bedeutest mir ueberhaupt nichts. ich hab das lange genug gemacht, sex ohne liebe, ich kann das nicht mehr, ich will das auch nicht mehr und ausserdem gibt es schon einen anderen. er fuhr zurueck in die schweiz, sauer und entaeuscht.

ein traum ist nicht genug, man muss auch dafuer leben, man muss auch bruecken baun und den gefuehlen traun, wenn worte fehlen.....

-das zimmer von frau dr. frank war kuehl, sachlich, korrekt. ich fuehlte mich heiss, zornig und gedemuedigt. wir sassen nebeneinander vor ihrem schreibtisch, zwei junge maenner, die bei etwas ertappt wurden, was man(n) nicht machte und die es auch in zukunft nicht lassen wollten. frau frank fand das nicht sehr schoen und sie lies es uns merken. sie erzaehlte uns beinahe zwanzig minuten ueber die gefahren der gleichgeschlechtlichen liebe und hatte doch nur wenig zu sagen. den einfachen satz "jungs, benutzt kondome und seit euch treu, denn mehr wissen wir zur zeit auch nicht" den sagte sie nicht, dann waere sie ehrlich gewesen und in dreissig sekunden fertig, aber so einfach wollte sie uns dann doch nicht davon kommen lassen.

ich hatte stunden vor dem fernseher verbracht, herrn gauweiler und frau suessmuth gelauscht, mit ihnen die frage durchlitten, ob man diese von der pest befallenen schwulen, die nach praesident reagans worten eine strafe gottes sei, nur an den pranger stellen sollte, um ihre umwelt vor diesem fehlgeleiteten gesocks zu warnen und zu schuetzen, oder ob es nicht fuer die volksgesundheit besser waere, die herren gleich zu internieren. da rita mit ihren fundierten zahlen und erkenntnissen von einem moeglichen zeitraum von dreissig jahren zwischen infektion und ausbruch der seuche ausging, fand sie diesen schritt dann doch etwas derb und dem staunenden wahlvolk schwer vermittelbar. man sieht, wir diskutierten unsere ahnungslosigkeit mit viel herz auf hohem niveau und stellten ritas gerahmtes bild mit autogramm und rosa buschroeschen geschmueckt nebst radiowecker und billyboy extra reissfest auf unseren nachtisch neben unser lotterbett.

so sasen wir also bei frau frank, angetan mit unserem reinen bueserhemd und streuten asche auf unser schamvoll gebeugtes haupt. >wenn das alles ist, was sie uns zu der sache sagen koennen, dann wuerde ich gern wieder gehen.< ich war aufgestanden und hielt ihr meine hand hin. auch sie erhob sich und meinte, es taete ihr leid, aber beim derzeitigen stand der dinge koenne sie uns nicht mehr sagen, nur raten, sehr vorsichtig zu sein. >aber eine beziehung zu fuehren mit dreissig zentimetern sicherheitsabstand bei tag und nacht, das klingt nicht sehr realistisch, glauben sie das nicht auch? und dass jeder von uns seinen eigenen rassierer und seine eigene zahnbuerste benutzen soll, glauben sie, dass ist jetzt etwas neues fuer uns? und fuer diese ergreifenden erkenntnisse bestellen sie uns zu sich? wen oder was haben sie eigentlich erwartet? sie haben ja wohl nerven!< markus war schon an der tuer und wartete mit hochrotem kopf. wir gingen, meine ausgestreckte hand hatte frau frank ignoriert.

ein traum ist nicht genug, man muss auch etwas geben, man muss auch mal verzeihn und zwischen ja und nein, die liebe waehlen....

wir fuhren auf der autobahn zurueck nach hause und standen vor dem grenzuebergang weil a. rh. im stau. markus schaute mich an. >an was denkst du?<  >dass ich zu spaeht zur arbeit komme?<  >du magst sie nicht besonders?<  >wen?<  >die frank. sie kann ja auch nichts dafuer, dass....<  >italo, niemand sagt, dass sie etwas dafuer kann, aber es ist doch keine schande zu sagen, wir wissen nichts. und das kann sie sogar telefonisch machen, dann haetten wir nicht extra den nachmittag dranhaengen muessen und das fuer nichts und wieder nichts!<  >du sagst doch immer, du bist gern mit mir zusammen und jetzt sind wir einen nachmittag zusammen...<  >mit dir, nicht mit frau frank!< wir schwiegen. >phoeniiix?< jetzt wurde es ernst, mehr als drei iii bedeutete gefahr oder es wurde teuer. >was?<  >bist du eigentlich mehr bi,- oder homosexuell?<  >wer will das wissen?<  >ich! anna sagt...<  >anna redet da auch mit?<  >ja, nein, sie sagt halt, da waeren immer jede menge frauen gewesen und sie verstuende es auch nicht ganz, dass... und mit ihr hast du ja auch...<  >nein, hab ich nicht, ich schlafe nicht mit meinen verheirateten mitarbeitern mit denen ich befreundet bin<  >und dass da immer welche an der theke rumsasen und warteten bis du feierabend hattest!<  >ich geh hinten raus, wenn ich fertig bin, das weisst du! markus, was willst du wissen?<  >ja bist du jetzt mehr bi,- oder homosexuell? also bei mir war das klar, seit ich...< >ich glaub, ich bin schon schwul, ich habs hetero versucht, aber das ging ziemlich daneben. irgennt wie war das mit den maedchen nicht der grosse hit. doch ja, ich denke schon, dass ich schwul bin.<  >und dein coming out?<  >was soll damit sein?<  >dann hast du freitags mit den frauen aufgehoert und montags mit jungs angefangen?<  >mittwochs!<  >was mittwochs?<  >ich hab an einem mittwoch angefangen. dazwischen hab ich mir aber schon ein paar gedanken gemacht und mit etwas phantasie und guten willen war es jetzt auch nicht soo schwierig. du hast es nicht erfunden.<  >du hast schnell gelernt!<  >ein naturtalent? vieleicht, eventuell...?<  markus lies es sich durch den kopf gehen. >und jetzt passiert sowas!<  >was passiert jetzt?<  >na mit meiner krankheit, keiner weiss wirklich bescheid und jetzt du...!?<

oft dreht man sich um und geht, weil man nicht fand, was man ertraeumt hat, und bemerkt erst viel zu spaet, dass man den besten teil versaeumt hat... 

italo schaute mich ungluecklich an, wir naeherten uns langsam dem wahren grund dieser unterhaltung. >schau markus, es ist doch so. seit ich dich das erste mal gesehen habe, wollte ich mit dir zusammen sein. und jetzt sind wir zusammen und es geht verdammt gut! es geht doch gut mit uns?<  >ja schon aber...<  >eben! wenn du dir etwas ganz arg wuenscht und der wunsch geht endlich in erfuellung, dann schmeisst du doch nicht alles hin, nur weil er vielleicht einen kleinen transportschaden, eine kleine macke hat. dann sagst du doch nicht nö, das habe ich mir dann doch anders vorgestellt, so will ich das nun auch nicht. es duerfte schwierig sein, einen erwachsenen menschen zu finden, der bis zu dem tag unbeschadet und ohne kratzer durchs leben ging.< es war jetzt sehr still im wagen. >einen kleinen transportschaden, eine macke! phoenix du kannst manchmal echt uebersensibel sein!<  >wir muessen eben etwas aufpassen, halt immer einen gummi benutzen, so schwierig kann das doch nicht sein. und in ein paar monaten sieht alles vielleicht schon ganz anders aus, wir muessen halt abwarten. und wenn wir schon dabei sind, wie kommen eigentlich die ganzen kondome ins handschuhfach?<  >du hast sie gefunden?<  >natuerlich hab ich sie gefunden, das ist ja nicht allzu schwierig. und wenn sie am zoll mal sagen, "oeffnen sie bitte das fach da" dann sag ich äh, ich schmuggle pariser von der schweiz nach deutschland, in der micros haben sie aktion?<  >die bekommt man jetzt ueberall in der stadt<  >haendevoll? im globus und beim dehner?<  >nein, aber im "dupf" und im "elle" verteilen sie die jetzt und ich bekomm immer ein paar mehr.<  >du gehst ohne mich ins "elle"?<  >zum apero nach feierabend, wenn du arbeitest. walti ist auch oft da<  >ganz schlechte entschuldigung<  >wieso er ist dein bester kumpel<  >eben, ich kenn ihn. und dann packst du die dinger bei mir ins auto, bevor du in die kueche reinkommst?<  >damit du nicht gleich merkst, dass ich nicht von zu hause komm<  >logisch, das macht sinn.< wir waren auf dem parkplatz hinter meinem geschaeft. ich blieb noch einen augenblick mit geschlossenen augen im wagen sitzen. meine nachmittagspause fehlte mir. >was ueberlegst du?<  >wie lange es wohl dauert, bis wir die ganzen gummis abgearbeitet haben, die du nachher mit remy nach hause mitnimmst<  >wenn es mit uns so bleibt, wie es jetzt ist, dann geht das ratz-fatz< ich stoehnte. >koennten wir nicht noch eine halbe stunde zusammen nach hause gehen<  >nein, ich muss mich jetzt noch ein paar stunden um die einsamen damen an meiner theke kuemmern und ein wenig geld verdienen. wir reden heute nacht nochmal darueber!<  >dann schlaf ich schon!<  >eben. gut so. und jetzt komm, anna wartet sicher schon sehnsuechtig auf dich.<

ein traum ist nicht genug, man muss auch dafuer leben, und zwischen kopf und herz, und zwischen stolz und schmerz, die liebe waehlen.        

 

-wir waren verliebt. mein leben hatte sich total veraendert. ich pendelte zwischen basel und neuenburg, mein heimweg wurde die autobahn. an drei werktagen schlief ich bei ihm in basel, am wochenende war er bei mir. markus zuendete mir nachts den himmel an, wir gingen mit nackten sohlen durchs feuer, tanzten barfuss im regen. er war alles, was ich mir vom leben erwuenscht hatte.

das virus war kein thema mehr. italo sprach nicht darueber. wir hielten uns an die vorgaben, sie wurden alltag, zur gewohnheit fuer uns .er ging zu seinen kontrolluntersuchungen, aber sie waren kein stoff fuer gespraeche zwischen uns.die krankheit tangierte unsere beziehung nicht.

-markus erzaehlte von seiner liebe zu thomas, von dem ewigen hin und her bis er ihn rausgeworfen hatte, als er von seinen streifzuegen durch die saunas und parks in zuerich und basel erfuhr, zeigte mir die karte, die thomas ihm schickte, auf der stand "ich tanz auf deinem grab."

thomas rief an, er hatte von uns erfahren. er tobte, beschimpfte mich, beleidigte markus, lies kein gutes haar an ihm. ich hoerte schweigend zu. du haettest noch mehr in zuerich herumficken muessen, vielleicht waere er dann bei dir geblieben, sagte ich. du hast einen fehler gemacht. du bekommst mich am schnellsten in den rhein, wenn du mir sagst, spring nicht von der bruecke, ich verbiete es dir. italo weiss es, er weiss was mit dir los ist, und wenn ich dich noch einmal antreffe, wenn wir in basel unterweges sind, dann blamiere ich dich so, dass du dich in der ganzen stadt nicht mehr sehen lassen kannst. ich legte auf. wir liefen uns die ganzen jahre nicht mehr ueber den weg. er schrieb mir noch einen brief, darin wiederholte er den ganzen scheiss, den er mir schon am telefon gesagt hatte. ich las ihn, zerriss ihn und warf ihn in den muell. zu italo verlor ich kein wort darueber.

-italo war sehr schnell in neuenburg zu hause. er hatte einen charme, eine art auf die menschen zu zugehen, sie konnten sich ihm nicht entziehen. er wickelte alle um den kleinen finger. er machte durch sein wesen die akzeptanz unserer beziehung den leuten leicht. ich trat in den hintergrund, einen schritt zurueck, schaute lachend zu. er kam ins restaurant, redete mit den gaesten als waere er schon immer da gewesen, die leute mochten ihn. es gab anfangs sicher gerede im ort, aber das legte sich sehr schnell. so interresant war das privatleben zweier junger kerle auch wieder nicht. ein paar thekengaeste blieben weg, micha beklagte sich bei mir darueber. ich zuckte mit den schultern, wie sollte ich es aendern. nach ein paar wochen kamen die meisten wieder zurueck, waren einfach ohne grosse erklaerung wieder da. wahrscheinlich hatten sie gemerkt, dass es nicht auf sie abfaerbte und ihrem " guten ruf " keinen abruch tat, wenn sie bei einem schwulen ihr bier tranken. ich sprach sie nie darauf an, dieses thema war fuer mich bei der arbeit tabu, und der groesste teil meiner gaeste hielt sich auch daran.

 

-ich wurde als hauptgefreiter bei der bundeswehr entlassen und das war auch gut so. meine soldatischen qualitaeten wahren, ohne mich loben zu wollen, grottenschlecht, das mit dem gehorsam immer etwas schwierig und ich konnte die hohen dienstgrade nie auseinander halten. als koch im offizierscasino kommt das einfach bloed. ich starrte immer auf die sterne und kraenze auf den schultern der herren und ueberlegte, wie sie wohl angesprochen werden wollten, und bis ich dann den arm zackig zum gruss erhob, waren sie schon lange an mir vorbei. aber wenn mir doch einmal ein gruss mit stotterfreier meldung gelang, waren mir der beifall und die hochrufe meiner mitkaempfer sicher. die meisten offiziere aber haben familien und diese immer einen grund zu feiern, als da waeren konfirmationen, erstkomunionen, taufen, geburtstage und vieles andere. und da die anderen offiziersfreunde nicht immer sehen sollten, wie ausgelassen, lustig und stilvoll der herr hauptfeldwebel mit seiner sippe zu feiern verstand, fanden viele dieser anlaesse nicht im casino, sondern im privaten rahmen bei ihnen zu hause statt. und ich kochte fuer sie. ich sah den herrn komandeur mit heruntergelassener hose, den nackten hintern schwenkend auf einem stuhl stehend ein froeliches lied singen, die frau oberfeldwebel sich die bluse vom leib reissen und ihrem angetrauten lieblingsnahkaempfer sturzbetrunken eine szene machen und ich kochte fuer sie und hielt den mund. fuer soviel loyalitaet wird man dann soweit befoerdert, wie es als wehrpflichtiger moeglich war. ich machte den pkw und lkwfuehrerschein, was schon damals offiziel nicht mehr moeglich war und durfte mich aus den wichtigsten militaerischen dingen wie morgenapell und kompaniedienst heraushalten.

drei monate nach meiner entlassung bekam ich mit der post eine einladung zu einem dreiwoechigen aufenthalt nach bayern und dachte nett, sie haben dich noch nicht vergessen. im folgenden jahr kochte ich bei stroemenden regen in den weitlaeufigen waeldern bei idar-oberstein und fand das alles nicht mehr ganz so gut. nach laengerem schweigen dann, ich dachte schon, jetzt haetten sie mich entgueltig vergessen, kam der bescheid zu einer wehruebung nach muenster in westfalen und ich sagte mir, jetzt ist es aber wirklich gut, man muss auch mal aufhoeren koennen. ich fuhr nach tuebingen zum kreiswehrersatzamt und erklaerte dort einem unfreundlichen herrn, ich kann nicht mehr, schon wegen meinem geschaeft geht es gar nicht mehr. er hoerte mich an und versprach mir in kuerze eine entscheidung ihrerseits. die ablehnung meines wunsches kam sechs tage spaeter. ich legte wiederspruch ein und fuhr wieder nach tuebingen. auf der fahrt dahin fiel mein blick auf meine linke hand und ich bemerkte, dass ich meinen ring vergessen hatte abzuziehen. ich streifte ihn vom finger und steckte ihn in die tasche meiner jeans. nach der unterredung mit einem anderen herrn im amt fuhr ich nach hause und aß mit meiner mutter zusammen zu mittag, legte mich eine stunde im wohnzimmer auf die couch und machte mich dann wieder auf den weg nach neuenburg. damit war die sache erstmal fuer mich erledigt.

es war sonntag morgen und ich sass mit markus zusammen beim fruehstueck. italo schrieb in akten von der bank und ich las die zeitung. draussen schien die sonne und wir wollten am nachmittag mit remy nach reinach zu mami in den garten. ploetzlich erschien markus gesicht ueber helmut kohls konterfei. >phoenix, warum traegst du unseren ring nicht mehr?< ich war irritiert. >der ist in der jeans, die ich letzte woche anhatte, als ich zu hause wahr<  >das war letzte woche!<  >ich hab ihn vergessen, hab es nicht bemerkt< ich ging ins schlafzimmer und zog die hose aus dem schrank, griff in die tasche, da war kein ring. >du hast ueber eine woche nicht bemerkt, dass du den ring nicht anhast? das laesst ja tief blicken!< ich durchsuchte alle taschen, nichts. >er ist weg!<  >wer ist weg?<  >der ring, er ist nicht da<  >komm hoer auf phoenix, das ist jetzt nicht lustig<  >er ist nicht da, ich muss ihn verloren haben.< ich rief meine putzfrau an und fragte sie, aber sie hatte nichts gefunden. ich suchte im auto, aber ausser ein paar muenzen, kondomen und feuerzeugen nichts, kein ring. >und jetzt?< fragte markus. >wir muessen einen neuen kaufen, es wird uns nichts anderes uebrig bleiben<  >das ist dann nicht mehr dasselbe.< markus war enttaeuscht.  >dann lass es mich wissen, wenn du eine bessere idee hast, ich kann es jetzt auch nicht aendern, es ist nun mal so.< so war es und der sonntag war gelaufen!

eine woche spaeter kamen meine eltern zu besuch. sie waren mit ein paar basen und vettern auf dem weg zu einer wandertour ins elsass und machten einen zwischenstop in neuenburg. die ganze sippe sass mit italo auf dem balkon bei wein, kaffee und kuchen, als meine mutter zu mir in die kueche kam, mir wortlos etwas in die hand drueckte und wieder nach draussen zu den anderen ging. ich oeffnete meine hand und schaute auf meinen ring. als alle wieder weg waren, fragte ich markus, ob meine mutter sich ihm gegenueber anders verhalten hatte  als bei anderen gelegenheiten, wenn sie sich getroffen hatten. er sagte nein, sie war freundlich wie immer, warum fragst du. weil sie es weiß, erwiederte ich. was weiß sie? fragte markus. ich hielt ihm den ring vor sein gesicht. sie hat ihn mir heute zurueck gegeben, ich muss ihn verloren haben, als ich zu hause war. sie hat mir den ring zurueck gegeben in dem dein name eingraviert ist.

ich rief einige tage spaeter bei meine mutter zu hause an und erzaehlte ihr, dass ich ein haus kaufen wollte und meinen hauptwohnsitz nach neuenburg verlegen muesste. und dass dann das kreiswehrersatzamt freiburg fuer mich zustaendig waere. sie war wie immer am telefon. die sache mit dem ring erwaehnte sie mit keinem wort.

der zwei herren im kreiswehrersatzamt in freiburg waren sehr nett und hilfsbereit. ich erzaehlte ihnen meine geschichte mit dem restaurant, welches ich dann in dieser zeit schliesen muesste, dass ich ein haus gekauft haette und um ganz sicher zu gehen, dass ich mit einem mann zusammen lebe, der hiv-positiv und schweizer staatsbuerger ist. ich fuehlte mich nicht wohl bei dem, was ich da tat, es war das erste und letzte mal, dass ich markus krankheit fuer meine belange benutzte, aber in diesem fall, dachte ich, heiligt der zweck die mittel. sie wollten noch wissen, was sie sich unter zusammenleben vorstellen muessten und ich erklaerte ihnen auch das in groben zuegen. nach einer zehn minuetigen beratungspause teilte man mir mit, dass ich meine bei mir verbliebenen sachen zu einem noch zu bestimmenden zeitpunkt abgeben koennte und dass das kapitel bundeswehr fuer mich abgeschlossen waere und sie mir fuer die zukunft alles gute wuenschten. ich bedankte mich und dachte, na also, es geht doch!  

 

 

 

24.8.07 21:15
 


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