eine geschichte ueber die liebe
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-ich saß zusammen mit anna in der kueche und wir tranken eine flasche wein. es war sehr viel los an dem abend und mir schmerzten die schultern, mein ganzer ruecken war total verspannt, aber nun war es vorbei, ich musste nur noch abwarten, bis die letzten gaeste nach hause gingen. >was ist los mit dir phoenix?< anna schaute mich fragent an. >was soll sein? ich bin ganz schoen fertig fuer heute, es war verdammt viel heute abend.<  >das mein ich nicht, du gruebelst doch schon seit tagen ueber etwas nach, man sieht es dir doch schon von weitem an!<  >es ist nichts besonderes, es ist nur etwas viel zur zeit, mir fehlt mein mittagsschlaf. jeden nachmittag mit irgennt welchen handwerkern auf der baustelle, morgens und abends bis tief in die nacht hier und taeglich kommt markus von der bank mit neuen vorschlaegen und aenderungswuenschen. manchmal kommt es mir vor, er hat die plaene vom haus in seiner abteilung an die pinwand geheftet und jede mitarbeiterin, die vorbei kommt, darf auch noch einen kleinen wunsch darauf einzeichnen. wenn ich nur an das badezimmer denke, hast du dir schon ueberlegt, was das alles kostet, wieviel panierte schnitzel ich dafuer verkaufen muss? ich habs mir neulich nacht einmal durchgerechnet, ich bekomm schon einen bandscheibenvorfall, wenn ich nur daran denke. und die bauarbeiter schauen mich langsam an, als waere ich total durch bei rot. ausserdem haben wir das gaestezimmer vergessen!< das war das stichwort fuer anna. >ich hab schon zu markus gesagt, lasst das mit dem gaestezimmer, das braucht ihr wenn es hochkommt eine woche im jahr und den rest der zeit verkommt es zur rumpelkammer. und wenn ihr es mal braucht, schlaeft der besuch eh im wohnzimmer auf der couch, weil ihr beide zu faul seit, es aufzuraeumen. und frau stork(meine haushaltshife) wird euch eins husten. ueberhaupt ist...<  >und wie erklaere ich meinen eltern, wo italo schlaeft, wenn er die ganze zeit in neuenburg ist?<  >die paar tage, die deine eltern mal hier sind. dann soll er halt in der zeit bei seiner mutter wohnen.<  >und ich beseitige alle spuren seiner anwesenheit und raeum seine sachen aus den schraenken? ich koennte ihm auch eine gaesteliege in den heizungskeller stellen. anna, das wird langfristig so nicht klappen!<  >du willst es ihnen sagen!<  >ich denke, das wird sich nicht vermeiden lassen. und irgennt wann muss ich es ja sagen. du kannst markus ja nicht mehr als kurzzeitaffaere bezeichnen<  >das allerdings nicht, er wird dir was erzaehlen. aber wenn ich an das theater wegen jutta denke, dann steht dir noch einiges bevor. ich moechte nicht in deiner haut stecken, ich denke, ich fahr dann fuer ein paar tage in euer haus ins tessin. du sagst, da gibt es kein telefon?sehr gut! und wie willst du es ihnen sagen, faehrst du hin?<  >ich denke, ich werde es ihnen schreiben. es ist leichter fuer mich, es ihnen so zu sagen, als wenn ich hochfahre. schreiben faellt mir leichter als reden und ich vergesse dann nicht die haelfte.<  >nun, die eine haelfte wird ihnen vollauf genuegen. phoenix, ich wuerde mir das nochmal gut ueberlegen. ich hab dabei kein gutes gefuehl. und wenn du ihnen schreibst, dann sag aber vorher deiner schwester bescheid, damit sie sich in sicherheit bringen kann, wenn deine eltern erfahren, dass sie schon lange ueber die sache bescheid weiß.< anna trank ihr glas leer und machte sich fertig, um nach hause zu gehen. >und mit dem geld, rechne das ganze mal durch rinderfilets, das macht die sache nicht ganz so frustrierend.< 

-markus lag am pool in der sonne und las in irgenntwelchen statistiken, mami und ich werkelten in der kueche am abendessen herum, der rest der familie war unterwegs nach reinach. es war sehr still und eine schlaefrige ruhe hatte sich ueber den nachmittag gelegt. >moechtest du auch einen kaffee?< mamis stimme riss mich aus meinen gedanken. ich nickte. >einen cognac dazu? an was denkst du die ganze zeit?<  >ja gerne< ich sah ihr zu, wie sie mit den tassen handierte und die flasche cognac oeffnete. >wie war das eigentlich, als du erfahren hast, dass markus schw... maenner liebt?< mami sah mich erstaunt an. >es war furchtbar, sein vater war ein jahr tot und dann so etwas. ich hab ihn im garten im pool erwischt, mit einem taxifahrer, hat er dir das nicht erzaehlt?<  >nicht direkt. mit einem taxifahrer?<  >ich bin an diesem abend direkt aus dem buero nach hause gekommen, weil unser tennistraining ausgefallen ist. seine schwestern waren in der stadt und da habe ich sie dann erwischt. ich hatte mich schon gewundert, warum ein taxi vor dem haus stand und kein fahrer darin saß. ich bin durch den garten ums haus herum und da sah ich dann die zwei im pool<  >und wie hast du reagiert?< ich musste mir das lachen verkneifen. >zuerst stand ich da wie versteinert, dann hab ich die zwei aus dem becken gejagt und markus in sein zimmer gesperrt. danach wollte ich die politzei rufen und den kerl anzeigen. aber markus ind irene..<  >irene?<  >die hab ich ja zuerst angerufen und die meinte, ich soll erst einmal abklaeren, welche rolle markus dabei gespielt hat, bevor ich die politzei rufe.<  >und?< ich ahnte irgennt wie, was nun kam. >markus meinte, dass er den fahrer verfuehrt haette und dass sie nicht zum ersten mal im pool "geschwommen" waeren. dafuer ist er dann gratis taxi gefahren. kurz und gut, ich hab markus in sein zimmer eingesperrt und den kerl rausgeschmissen. und dann hab ich mich hier in der kueche hingesetzt und erstmal eine stunde geheult. spaeter hab ich dann das wasser aus dem pool abgelassen<  >das ganze wasser? haette es nicht auch ein chlorstoss getan?< sie kicherte >stoss ist gut. nein ich wollte einfach, dass das nicht nocheinmal passiert. es war natuerlich idiotisch, schon wegen der maedchen, aber in dem augenblick dachte ich, da kommt mir niemand mehr rein. und am naechsten morgen habe ich ihn nicht in die schule gelassen und einen termin beim schulpsychologen gemacht. da bin ich dann mit ihm hin, das war die allergroesste pleite!< ich war immer noch am lachen. >was hat er dazu gesagt?<  >er hat sich fuenfzehn minuten mit markus unterhalten und dann zu mir gemeint, mit meinem sohn waere ja soweit alles in ordnung und seine unbefangene einstellung zu seiner homosexuallitaet waere sicher auch ein ergebniss meiner offenen erziehung und wo denn dann fuer mich das problem bestuende, wie er denn mir weiterhelfen koennte. wenn ich das sturmgewehr von italos vater bei mir gehabt haette, ich haette um mich geschossen.< wir lachten beide vor uns hin. >das hoert sich jetzt alles so einfach an, aber damals war mir nicht zu lachen zumute. ich hab markus eine woche zu hause gelassen und er musste den pool schruppen, aber ich konnte ihn ja nicht ewig einsperren. und ein paar monate spaeter kam ein brief vom polizeiposten basel mit einer verwarnung "wegen erregung oeffentlichen aergernisses im muenster". da hat er wohl mit einem touristen, na du weisst schon.. auf dem muensterturm...und da war er grad sechzehn...< ich bruellte vor lachen >es war wirklich nicht einfach damals, ich konnte ihn ja nicht anbinden. und phoenix, ich sag dir ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie das alles ausgegangen waere, wenn sein vater noch gelebt haette. so einfach, wie es jetzt den anschein hat, waere es fuer markus sicher nicht geworden. ich kann dir wirklich nicht sagen, wie sein vater reagiert haette.< italo schaute vorbei und griff sich meine zigaretten. >was habt ihr zu lachen?< wollte er wissen. >mami erzaehlte mir gerade von deinen starken gefuehlen im basler muenster.< er schaute uns boese an und verschwand wieder nach draussen ins freie. >ich hab mir immer sorgen um ihn gemacht, da gab es andauernd andere maenner und als dann thomas kam, dachte ich, es wuerde besser, aber das war ein ewiges hin und her mit den beiden, markus war sehr ungluecklich zu dieser zeit. und dann brachte er dich ins haus, einen schwaben aus dem grossen kanton und wir wussten ueberhaupt nicht mehr, was wir von der sache halten sollten. nur die oma hat schon beim ersten mal, als wir dich gesehen haben, gemeint, ihr wuerdet gut zusammen passen. aber warum willst du das alles wissen?<  >mami, ich denke, wenn markus jetzt nach neuenburg zuegelt, dann sollte ich es meinen eltern sagen, dass ich schwul bin.<  >bist du dir da wirklich sicher? wegen markus musst du das sicher nicht machen.<  >nein, ich bin mir nicht sicher, aber es ist, so wie es jetzt ist, markus gegenueber auch nicht gerecht. hier bei euch gehoere ich wie selbstverstaendlich zur familie und bei meiner eigenen tun wir so, als waere er nur ein guter freund. das kann es auf dauer auch nicht sein. und ich habe auf das ganze theater auch keine lust mehr!< ich schenkte mir noch einen cognac ein. >und was denkst du, wie werden sie reagieren?< mami schaute mich ernst an. >ich weiss es nicht, ich habe absolut keine vorstellung davon, wie sie ueber solche dinge denken, ich weiss nur, dass ich die sache zu einem ende bringen will, so oder so.< mami schaute zu markus hinueber in den garten. >ich habe mir immer vorgestellt, wie es sein wuerde, eine schwiegertochter zu haben. wie sie sich mit markus schwestern verstehen wuerde. jetzt habe ich drei soehne dazu bekommen und das ist vielleicht auch ganz gut so. markus vertraut dir phoenix, es waere, wenn du nicht dort waerst, fuer ihn unvorstellbar gewesen, raus nach deutschland zu ziehen. und egal, wie das mit deiner familie ausgeht, du bist hier bei uns immer willkommen.<

-ich informierte mein schwester von meinem vorhaben. sie hatte kein gutes gefuehl bei der ganzen sache und bat mich, es mir noch einmal zu ueberlegen. ich versprach es ihr, aber mein entschluss stand im grunde genommen fest.

-es war schon weit nach ein uhr morgens, ich war noch nicht allzu lange zu hause und saß vor einem weissen blatt papier in der kueche am tisch und starrte die wand an. mehr als das datum hatte ich nicht zustande gebracht, alles war sehr still um mich herum und die uhr ueber mir tickte quaelent gleichfoermig und erinnerte mich daran, wie mir die nacht durch die finger glitt.

vom schlafzimmer her hoerte ich geraeusche, italo war aufgewacht und werkelte lautstark mit irgent welchen sachen herum. ich hoffte insgeheim, er wuerde wieder weiterschlafen, aber da ging schon die tuer auf und ich  hoerte seine nackten fuesse auf den fliesen des badezimmerbodens. kurz darauf schlurfte er in die kueche, umschlang mich von hinten mit seinen nackten armen und zog meinen kopf an seinen warmen bauch. er roch nach schlaf und armani, ich sog tief die luft ein und spuerte dieses vertraute ziehen unterhalb des magens und ein leichter schauder machte mir gaensehaut. schon fuer dieses gefuehl ist es das wert, dachte ich, dieses gefuehl ist beinahe besser als sex, schon alleine dafuer lohnt es sich. >was machst du noch, warum kommst du nicht ins bett.< seine hand verwuschelte meine haare und er griff nach dem briefpapier vor mir. >du tust es also, du willst es ihnen sagen. phoenix du weisst, wegen mir brauchst du das nicht zu machen. ich hab kein problem damit wie es jetzt ist, von mir aus kann alles so bleiben< er setzte sich auf den stuhl mir gegenueber und blinzelte mich mit verschlafenen augen an. >sie werden mich mit dem arsch nicht mehr anschauen, ich eine beziehung mit ihrem sohn. das wird ein theater geben. sie werden mit steinen nach mir werfen.< er zog einen schmollmund und wischte sich die schwarzen locken aus der stirn. >es geht bei der sache nicht um dich italo. du bist austauschbar, wenn es du nicht waerst, dann gaebe es eben einen anderen.< ich trommelte mit den fingern nervoes auf den tisch. markus braune augen wurden gross und rund. falscher anfang, dachte ich, total falscher satz. ich stand wieder auf der bruecke, unter mir glaenzte spiegelblank das rheinwasser im sonnenlicht. >es hat nichts mit dir zu tun, es hat etwas damit zu tun, wie lange ich meiner familie etwas vormachen will. nur darum geht es, um nichts sonst. irgennt wann werden auch sie anfangen zu fragen und sich gedanken machen, es ist absehbar, wann sie damit anfangen werden. und was ist dann anders wie heute? ausser einem haufen luegen mehr, den wir bis dahin angesammelt haben. ich denke, es ist besser, ich sag es ihnen jetzt, als dass sie es in ein paar monaten hintenrum erfahren.<  >mach was du willst, aber wundere dich nicht ueber das echo.< italo stand auf und biss mir zaertlich in den hals. >ich geh wieder schlafen, mach nicht mehr so lang.<

ich schrieb den brief an meine mutter, erzaehlte ihr alles, versuchte ihr zu erklaeren, was mit mir passiert war, dass es nichts mit ihnen zu tun hatte, dass sie nichts falsch gemacht hatten. ich schrieb was ich fuehlte und dass ich markus liebte. ich schrieb ihr auch von italos hiv erkrankung, dachte, wenn ich schon dabei bin, reinen tisch zu machen, dann brauche ich das auch nicht verschweigen. entweder ganz oder gar nicht. der brief wurde sehr lang und als ich fertig war, wurde es draussen bereits tag und die voegel hatten schon lange wieder zu singen angefangen. ich steckte den brief in einen umschlag und brachte ihn zum briefkasten, damit ich gar nicht auf die idee kommen konnte, es mir noch einmal anders zu ueberlegen. markus schlief noch tief und fest, als ich zu ihm unter die decke kroch. ich hatte es getan, fuehlte mich erleichtert und zufrieden. es war richtig gewesen, ich spuerte es ganz stark in mir.

ich hoerte fuenf tage nichts von zu hause, fuenf endlos lange tage. markus erwaehnte die sache mit keinem wort und anna sah mich nur zweifelnd an. dann rief meine schwester an und was sie mir sagte, uebertraff meine schlimmsten befuerchtungen. mein vater war ausser sich vor wut und aus dem gemeinsamen schlafzimmer ausgezogen, meine mutter nur noch am heulen. wenn sie noch miteinander redeten, dann gab es nichts als vorwuerfe, wer alles wann falsch gemacht hatte, sie gaben sich gegenseitig die schuld an dem was geschehen war. ich war ratlos und verwirrt. sie hatten kein wort von dem, was ich geschrieben hatte, verstanden, nicht verstehen wollen. ich hatte zuhause mit den fingern auf die tischplatte getrommelt, nur ganz sachte, und auf der schwaebischen alb hatte die erde gebebt.

23.12.07 01:41
 


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