eine geschichte ueber die liebe
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ein bischen mehr blau

- pfingstmontag1996 der service war vorbei, die kueche sauber und aufgeraeumt, es war unglaublich, sie hatten mich total leergegessen, alles war weg, morgen frueh stand ich vor dem nichts. ich ging nach oben, zog mich aus und quaelte mich unter die dusche. ich schloss die augen, das heisse wasser prasselte auf meine haut, sebastian stand vor mir, sah mir in die augen, ich hoerte seine stimme sagen "mein mann". ich nahm sein handtuch vom haken, warf seine zahnbuerste in den muelleimer und zog das bett neu an, griff nach jeans, t-shirt, pulli, , ich sah in den spiegel, da war nichts, man sah nichts, es war alles so wie immer.

das restaurant war immer noch voll, jeder tisch war noch belegt und es war sehr laut. im buero stand noch eine angebrochene flasche southern comfort von sebastian, ich kippte sie in ein longdrinkglas und fuellte es mit eiswuerfeln auf, dann setzte ich mich zu den gaesten, die ich schon seit laengerer zeit kannte, an den tisch.wir unterhielten uns, lachten, redeten ueber ihre naechsten reiseplaene und die ganze zeit wusste ich, jetzt, in ein, zwei minuten haelt die welt den atem an, hoert die erde sich auf zu drehen, wird die tuer aufgehen, sebastian hereinkommen und es wuerde vorbei sein, es wuerde einfach vorbei sein.

ich ging an die theke,als niemand mich beachtete, nahm sebastians ersatzschluessel seiner wohnung und meinen autoschluessel aus der kasse und fuhr nach freiburg.

zeit ist wie ein fluss, ich sitz am ufer hier / und falt wie ein kind ein boot aus briefpapier. ich leg in das boot einen gemalten traum /dann setz ich ihn aus, nur um ihm nachzuschaun / manchmal fühl ich mich wie ein bild /das noch nicht stimmt, noch nicht gilt /die dinge sind da, die farben sind klar, doch es fehlt was......

ich schloss die tuer zu sebastians wohnung auf und lauschte. es war alles still, nur der verkehrslaerm von der schwarzwaldstrasse war entfernt zu hoeren. ich machte kein licht, in der kueche und im wohzimmer standen kerzen, ich zuendete sie an und schaute mich um. die zimmer wirkten verlassen, die luft roch nach abwesenheit, so als waere sebastian schon vor langer zeit geganen.

auf dem tisch in der kueche lag eine neue cd von tina turner, noch unberuehrt, in folie eingeschweisst, ich riss sie aus der verpackung und legte sie in den player. tina turner sang, klagte,missing you, klagte an, schrie ihren schmerz hinaus und ich lag da und dachte, lieber gott, bitte, bitte....ich vermisse ihn noch nicht, lass es bitte so bleiben, ich will das nicht nocheinmal, ich kann das nicht nocheinmal....

ein bischen mehr blau im himmel über mir, ein bischen mehr wind in den haaren / ein bischen mehr licht auf meine zeit mit dir, ein bischen mehr spass an den jahren / mehr frühlingsgrün, mehr winterglanz, mehr zaubermond und sternentanz / etwas mehr blau, etwas mehr blau in den augen.....

die minuten gingen dahin, zaeh und klebrig, wurden zu stunden und die stunden zu tagen. ich lag auf sebastians bett, roch den duft von vanille und gab auf. es war nicht schwierig, es war einfach ein fallen lassen, ich hoerte meine mutter sagen, "das schaffst du nicht" und sie hatte sich geirrt, ich hatte es geschafft, ich hatte es mir verdient, es stand mir zu, aber es war jetzt egal, mein leben war auf der autobahn verbrannt.

ich lag auf sebastians bett und spuerte ihn bei mir, seine haare kitzelten meine haut, sein ruecken schmiegte sich an mich und ich spuerte, dass es vorbei war, ich wuerde es nicht noch einmal schaffen, das krug war leer, der wille zerbrochen, ich war am ziel, ich war am ende. ich dachte an meine mutter, wie sehr sie mir fehlt, ihre meinung, auch wenn wir selten einer meinung waren. es war ein gutes gefuehl, nicht mehr kaempfen zu muessen, ich hatte es versucht, bin gegen mauern gerannt und habe geschwiegen, als die menschen, die mir wichtig waren, verlegen zur seite blickten und meine eltern mich verleugneten. ich war 37 jahre alt und dachte an meine mutter, wie sehr sie mir fehlt, ihr wiederspruch, an dem ich mich festhalten und wieder aufrichten konnte, an ihre liebe, die sie nie zeigen konnte, die aber immer da war, an ihre entaeuschung und ihre wut, die eine arterie platzen ließ und ihr herz ertraenkte. zum ersten mal seit fuenf jahren dachte ich ohne zorn und entaeuschung an sie. ich war angekommen, musste nichts mehr suchen, nicht mehr fragen, ich war am ziel!

glück ist ein moment, den mann zu spät erkennt, /glück ist ein gefühl, das keine sprache nennt. / oft hab ich gedacht, diesmal halt ich es fest, / doch in meiner hand blieb kaum ein kleiner rest. / manchmal fühl ich mich wie ein buch, in dem nie steht, wonach ich such / die dinge sind da, die worte sind klar, doch es fehlt was....

es ist schwer zu beschreiben, aber in dieser nacht wurde mir klar, dass es vorbei war, dass es kein noch einmal von vorn, kein ich steh wieder auf, kein jetzt erst recht fuer mich gab. ich hatte alles, was ich mir vom leben wuenschte und erhoffte, alles, was ich mir ertraeumt und abgetrotzt hatte, erhalten. ich hielt es wie wasser in meinen haenden, und meine haende waren leer, es war zeronnen, obwohl ich es so sehr festhalten wollte. sie waren trocken, rochen nicht mal mehr nach ihm. man sollte auch einmal nachgeben koennen!

die stunde zwischen drei uhr und vier uhr ist die laengste, dunkelste und einsamste des tages.die stunde, in der die menschen diese welt verlassen, leise und unbemerkt.

ein dicker, zaeher teppich, der wie schweroel die wellen des meeres erdrueckt, hatte sich in mir breitgemacht. ich konnte mich darunter entspannen und etwas erholen, spührte noch immer den stechenden schmerz in der brust, aber da war nichts mehr da von zorn oder auflehnung, nur noch eine schwere ruhe und und die erleichterung, nicht mehr kämpfen zu müssen.

als ich sebastian kennenlernte, hörte ich auf, von markus zu traeumem, sah nicht mehr sein ausgezehrtes gesicht, sah nicht mehr seine anklagenden augen, roch nicht mehr diesen geruch von verwesung, scharf und alles durchdringent, diesen geruch,von dem ich dachte, er haette sich fuer immer in mir eingebrannt, in meinem mund, meinen schleimhaeuten, meinem gehirn. ich sah ihn wieder gesund und gluecklich. ich ueberlegte, wie ich von sebastian traeumen wuerde, ob ich von ihm traeumen und wenn ja, was das wohl sein wuerde.

es wurde hell, ein neuer morgen war da, zuhause machten sie schon frühstück. ich nahm die cd aus dem player, spühlte das benutzte geschirr, zog das bett neu an und schaltete die hauptsicherung aus. ich stand da in der dämmerung, sebastians arme legten sich um mich, hielten mich fest, seine zunge streifte meinen hals, mein ohr, wir waren in basel, es war fasnacht, seine stimme sagte "mein mann". ich wurde ohnmächtig.

ich verschloss die wohnungstuer, warf den schlüssel in den briefkasten und fuhr zurueck nach hause. kurz nach bad krotzingen geschah es dann, es begann mit einem leichten ziehen im magen, das sich langsam in meiner brust ausbreitete. ich dachte, ich müsste mich übergeben und wusste doch ganz genau, dass das nicht passieren würde. ich begann ihn zu vermissen....

ein bischen mehr blau im himmel über mir, ein bischen mehr spass an den jahren / ein bischen mehr licht auf meine zeit mit dir.......ein bischen mehr blau in den augen......

 

 

 

 

 

 

 

26.12.08 23:09
 


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